Williams %R (PCR)

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Grundlagen: Der William’s %R ist eines der Millionen Dollar Instrumente des L. WILLIAMS. Der Autor zahlreicher Bücher und Weltbekannte Top – Trader hat diesen Indikator in seinem Buch „Wie ich letztes Jahr eine Million Dollar….“ vorgestellt. Haupttenor des gesamten Buches ist; „ist alles ganz einfach…“. Man möchte glauben, das Geld wird direkt auf dem Parkett verteilt. Der Indikator stammt noch aus einer Zeit, in der mit Rechenschieber und Millimeterpapier gearbeitet wurde. Ein kleiner Hauch von Nostalgie weht durchs Zimmer, wenn man die Handgezeichneten Charts in WILLIAMS’ Buch betrachtet.
Bei genauem Hinsehen ist der %R aber schnell entzaubert. Wenn Sie Abb.1 betrachten, wird Ihnen sicher auch auffallen, dass die Slow – Stochastic und der %R nahezu identische Bewegungsmuster bilden.

L. WILLIAMS hat die Stochastik – Berechnung etwas abgewandelt. Sorry, diese Aussage unterstellt, dass er kopiert hat, was nicht meine Absicht ist. WILLIAMS’ Indikator ist bis auf eine Nuance identisch mit der bekannten Stochastik. Und ehrlich zugeben muss ich, dass es dutzende Indikatoren unter verschiedenen Namen gibt, die bis auf winzige Details identische Berechnungen enthalten.
Da nicht festzustellen ist, welcher der beiden Indikatoren zuerst veröffentlicht wurde, wollen wir uns damit begnügen, auf die Ähnlichkeit hinzuweisen.
Der %R ist ein „handelsüblicher“ Überkauft / Überverkauft – Oszillator. Er wurde geschaffen, um extreme Kursbewegungen zu identifizieren. Dabei signalisiert er genauso zuverlässig, wie die Slow – Stochastic auch, jedes Kursniveau, an dem Richtungswechsel im Kurstrend erfolgen könnten. Das kein Indikator perfekt ist und WILLIAMS auch nicht den heiligen Gral erfunden hat, gibt er selbst zu. Eine gewisse Fehlerquote haftet auch den Signalen des %R an.
Dafür gibt es Stop Orders. WILLIAMS betont außerdem, wie wichtig eine vernünftige Trendbestimmung ist. Er drängt den Leser geradezu die Forderung auf, nie Signale gegen den Trend zu handeln. Anleger, die dies tun, werden Schmerzen erleiden.

In wenigen Worten lässt sich die Arbeitsweise des Indikators erläutern. Er beschreibt die Lage des aktuellen Kurses in der Spanne aus höchsten und tiefsten Kurs des Berechnungszeitraumes. Dies hat er mit der Slow – Stochastic gemeinsam. Der einzige Unterschied ist, dass hierbei nicht die Differenz zwischen Schlusskurs und Periodentief verwendet wird, sondern die Differenz zwischen Schlusskurs und Periodenhoch. Die Skalenwerte des Indikators schwanken von Softwareprodukt zu Softwareprodukt. Die Bandbreite jedoch ist immer gleich. Sie umspannt 0 – 100%.

Berechnung und Parameter: Die Berechnung des %R ist ähnlich einfach wie die der Slow Stochastic. Wir benötigen einige Werte, die wir zuerst berechnen. Da wären der höchste und der tiefste Kurs des Betrachtungszeitraumes:

HH(n)
LL(n)

Und die gesamte Kursbandbreite des Betrachtungszeitraumes:

SP(t) = HH(n) – LL(n)

Nun folgt die Berechnung des eigentlichen Indikators:

%R(t) = 100 - ( HH(n) – Close(t) / SP(t) ) * 100

Die Subtraktion und anschließende Multiplikation dient der Skalierung der Werte. Eine Glättung der Indikatorwerte wird nicht durchgeführt.
Standardeinstellung der Berechnungsperiode ist 14 Tage und 28 Tage. Werden 28 Tage gewählt, bewirkt das eine etwas ruhigere Verlaufskurve des Indikators.
Als Extremzonen werden die Überkauft - Zone bei 80% und die Überverkauft – Zone bei 20% eingezeichnet. Zusätzlich spendieren wir unserem Indikator eine Mittellinie, die dann bei 50% eingezeichnet wird.

Interpretation: Wie bei der Slow – Stochastic auch entnehmen wir dem %R folgende Informationen auf einen Blick:

Steigt der Indikator in die Nähe der oberen Skalenbegrenzung, bewegt sich der Basiswert nahe des höchsten Kurses im Betrachtungszeitraum. Erreicht der Indikator 100%, bewegt sich der Basiswert am höchsten Punkt des Betrachtungszeitraumes. Höher hinaus geht es nicht.
Fällt der Indikator in die Nähe der unteren Skalenbegrenzung, handelt der Basiswert am unteren Ende der Kursspanne des Betrachtungszeitraumes. Fällt der Indikator auf 0, so wird der Basiswert am tiefsten Kurs des Betrachtungszeitraumes gehandelt.

Werte ab 80% gelten als überkauft. Hier wird mit einer einsetzenden Gegenbewegung gerechnet. Wert unter 20% gelten als überverkauft, ab hier wird ebenfalls mit einer Gegenbewegung gerechnet. Ist ein Trend identifiziert, können alle Signale in Trendrichtung gehandelt werden.
Haben wir einen Aufwärtstrend Dingfest gemacht, werden Indikatorbewegungen in die untere Extremzone oder etwas später, aus dieser heraus als Kaufsignal verwendet.
Haben wir einen Abwärtstrend entdeckt, werden alle Indikatorbewegungen in die obere Extremzone oder etwas später, aus dieser heraus als Verkaufssignal verwendet.
Werden Signale gegen den Trend mit einem Durchbruch der Mittellinie bestätigt, können diese gehandelt werden. Verlässt der Indikator die obere Extremzone und bricht dann noch durch die Mittellinie, kann das Signal trotz eines bestehenden Aufwärtstrends mit einer guten Chance gehandelt werden.
Verlässt der Indikator die untere Extremzone und bricht anschließend durch die Mittellinie, so kann trotz bestehenden Abwärtstrends dieses Kaufsignal mit guter Chance auf Gewinn gehandelt werden.

Die Suche nach Divergenzen lohnt sich ebenfalls beim %R. Wobei diese nicht so stark ausgeprägt sind, wie bei Indikatoren mit offener Werteskala.
Ich habe in Abb.2 und Abb.3 zwei aussagekräftige Divergenzen markiert. Wir finden im Aufwärtstrend bearishe Divergenzen vor, wie in Abb.2.Diese warnen uns vor einem dramatischen Verlust an Bewegungsdynamik, der den laufenden Kurstrend zusammenbrechen lässt. Der Basistitel steigt auf neue höhere Hochpunkte, wie dies im Beispiel gut zu sehen ist. Der Indikator jedoch bildet fallende Hochpunkte aus.

Im Abwärtstrend finden wir bullishe Divergenzen. Diese zeigen uns den Dynamikverlust in den Kursabschwüngen an. Die Bären verlieren ihre Kraft und müssen möglicherweise bald den Bullen das Parket räumen. Während der Basistitel neue Tiefpunkte ansteuert, bildet der Indikator steigende Tiefpunkte aus, wie Sie in Abb.3 deutlich sehen können.
Übrigens, lassen Sie sich nicht verwirren, wenn Sie die Skalenwerte mit denen aus anderen Programmen oder der Literatur vergleichen. In WILLIAMS’ Original ist 0 oben und 100% unten. Besonders verwirrend wird es, wenn in der deutschen Übersetzung der Indikator trotzdem auf 100% steigt!

Kritische Würdigung: Die Bewegungsmuster des %R sind extrem unruhig und zackig. Die Verwendung einer Signallinie wird dadurch unmöglich gemacht. Außerdem tragen die vielen Hakenschläge zur Verwirrung bei, wie auch die überall verschiedenen Skalenwerte.

Quellen:
Larry WILLIAMS, „Wie ich im letzten Jahr eine Million Dollar…“
John J. MURPHY, „Technische Analyse der Finanzmärkte“

Equilla Skript "Hier finden Sie den Equilla-Code des Williams %R-Indikators"

Equilla Skript "Hier finden Sie den Equilla-Code der Funktion PercentR"

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