MACD Momentum Oscillator (MACDMO)

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Grundlagen: Der MACD - Momentum - Oszillator ist eine sinnvolle Weiterentwicklung des MACD - Konzepts. T. ASPRAY hat diese im Jahr 1984 erstmalig auf einer „CompuTrac“ Konferenz vorgestellt. Nach anfänglich starker Kritik fanden sich doch auch begeisterte Stimmen. Der Indikator erfordert etwas Zeit zum Verständnis und zur Einarbeitung. Es wird das Momentum des zu Grunde liegenden MACD – Histogramm - Indikators gemessen und dargestellt. In den Beiträgen zum MACD und dem daraus resultierenden Histogramm - Indikator habe ich erwähnt, das durch die zahlreichen Glättungsvorgänge während der Berechnung einiges an zeitlicher Verzögerung in den Indikatorverlauf eingebracht wird. Durch die Berechnung des Histogramm - Indikators aus dem MACD und der nun erfolgenden Momentum Berechnung darauf, wird ein Teil dieser Verzögerung eliminiert. Das MACD - Momentum wird so zu einem Vorlaufindikator der Warnsignale auf bevorstehende Signale im MACD - Histogramm geben kann. Es ergeben sich zahlreiche Kombinationsmöglichkeiten und Filterkombinationen mit anderen Indikatoren.
Berechnung und Parameter: Es sind mehrere Berechnungsschritte notwendig, da wir zunächst die beiden zu Grunde liegenden Indikatoren berechnen müssen. Zur Wahl der Parameter hat ASPREY einiges an Vorarbeit geleistet. Auf Grund seiner Beobachtungen, dass die MACD - Signale in Wochencharts starker Zeitverzögerung ausgesetzt sind, hat er andere Parameter als die üblichen Standardeinstellungen des MACD verwendet. Schließlich hat er als optimale Parameter für die Periodeneinstellung der beiden gleitenden Durchschnitte des MACD, 10 und 20 Wochen gefunden. Aus diesen beiden Werten wird der MACD errechnet, in dem vom Wert des kürzeren Durchschnittes der Wert des längeren Durchschnittes abgezogen wird. Auf die so entstandene MACD - Linie wird eine Signallinie mit der Einstellung von 10 Wochen berechnet. Um das MACD - Histogramm zu erzeugen, auf dem das MACD - Momentum basiert, wird der Wert der Signallinie vom Wert der MACD - Linie abgezogen. Das so genannte MACD - Histogramm (in den Tradesignal Produkten heißt diese Darstellung Forest) wird als senkrechte Balkendarstellung von einer Mittellinie abgetragen. Das erleichtert das Erkennen kleinerer Schwankungen in der Bewegung.
Nun wird auf das entstandene MACD - Histogramm ein 10 Wochen Momentum berechnet. Wir erinnern uns an die einfache Berechnung des Momentums, vom aktuellen Kurs wird der vor N-Tagen/Wochen abgezogen. Der so erzeugte Indikator zeigt uns die Veränderungen der Bewegungsdynamik des MACD – Histogramm - Indikators. Um den Verlauf des Indikators etwas zu zähmen, wird zusätzlich ein einfacher Durchschnitt von 3 Wochen darauf berechnet. Der so entstandene Wert wird dann dargestellt.
Durch diese Berechnung, die so ähnlich auch in anderen Indikator Konzepten Verwendung findet, ist es möglich, frühzeitig Signale zu erzeugen, die im Kurschart des Basiswertes noch lange nicht zu erkennen sind.

Formel MACD und Histogramm

Ema1(t) = Ema(x)(Close)
EMa2(t) = Ema(y)(Close)
MACD(t) = Ema1(t) – Ema2(t)
Trigger(t) = Ema(z)(MACD)

MACDHist(t) = MACD(t) – Trigger(t)

x = kurze Berechnungsperiode
y = lange Berechnungsperiode
z = Berechnungsperiode Signallinie

Formel MACD - MomentumMACDMom(t) = MACDHist(t) - MACDHist(t-n)

n = Berechnungsperiode Momentum

In der Darstellung fehlt noch die Glättung. Auf das MACD - Momentum wir ein einfacher Durchschnitt mit der Berechnungsperiode 3 Tage/Wochen berechnet, um den Verlauf des Indikators zu glätten.

Mit Glättung:

MACDMom(t) = Sum(n)(MACDHist(t) - MACDHist(t-n)) / n
n = Glättungsperiode
Übrigens, Asprey bezieht alle seine Ausführungen zum Indikator auf Wochendaten, ich verwende in den Abbildungen aber Tagesdaten. Alle MACD – Indikatoren können übrigens auch in noch kleineren Zeitebenen verwendet werden.
Darstellungsvarianten: Das MACD - Momentum kommt meistens als eigenständiger Indikator daher. Sinnvoll ist jedoch die kombinierte Darstellung mit dem MACD - Histogramm gemeinsam in einem Chart. Vergleichen Sie selbst: Abb.1 zeigt beide Indikatoren in separaten Fenstern, Abb.2 zeigt sie in einem gemeinsamen Fenster. Wo kann man Divergenzen in den Signalen besser erkennen?
Interpretation: ASPRAY schildert für seinen Indikator unterschiedliche Verwendungsmöglichkeiten, je nach Zeitfenster, in dem gehandelt werden soll. Hauptsächlich beschäftigte er sich mit Wochencharts von Indizes und Rohstofffutures. Der MACD - Momentum - Indikator gilt als vorlaufender Indikator. Seine Signale weisen auf bevorstehende Signale im MACD - Histogramm hin. Ein im negativen Bereich steigender MACD – Momentum - Indikator weist auf bevorstehende Kaufsignale hin, genau wie ein im positivem Bereich fallender MACD - Momentum - Indikator auf bevorstehende Verkaufssignale hinweist.
Er ist zwar in der Lage, Tops und Böden relativ genau zu erkennen, jedoch liefert er auch Fehlsignale. ASPREY nutz deshalb nur diese Signale, die durch das MACD - Histogramm bestätigt werden. Liegen Divergenzen zwischen beiden Indikatoren vor, stehen möglicherweise markante Trendwechsel ins Haus. Besonders längerfristige Divergenzen sind dabei zu beachten.

Im Tageschart muss ein Trendfilter vorgeschaltet werden, um die MACD - Momentum - Signale sinnvoll nutzen zu können. Hier verwendet ASPRAY sowohl MACD, als MACD - Histogramm auf Wochenbasis. Als saubere Trenddefinition sollten beide Indikatoren dieselbe Lage aufweisen, also über oder unter ihrer Mittellinie. Ist dies nicht der Fall, soll zwar dem Histogramm der Vorzug bei der Trenddefinition gegeben werden, jedoch handelt es sich dann um ein schwaches Signal. Die MACD – Momentum - Signale, die in Trendrichtung entstehen, können nun direkt gehandelt werden. Auch hier gilt wieder, dass die besten Signale diejenigen sind, die durch das Histogramm im Tageschart bestätigt werden.
In Abb.3 sehen sie den MACD samt Histogramm auf Wochenbasis im Dax. Die aktuelle Trendrichtung ist Abwärts.

Entsprechend werden die Signale des MACD - Momentums auf Tagesbasis gehandelt, die in Trendrichtung weisen. In Abb.4 sehen sie einen Dax - Tageschart mit MACD - Momentum. Markierthabe ich nur diejenigen Signale, die vom Wochen - Histogramm bestätigt wurden.

Als weitere Kombinationsmöglichkeit beschreibt ASPREY den Einsatz von Indikatoren wie dem Demand Index, dem On Balance Volumen oder dem Herrick Pay Off Index, wobei diese als zusätzliche Filter verwendet werden können. Außerdem beschreibt ASPREY auch kurz die Verwendung von Envelopes oder Bollinger Bands. Hier können Ausbrüche aus den Bändern durch den MACD - Momentum - Indikator gefiltert werden.
Besonderheiten: Das MACD - Momentum ist ein Indikator, der auf einem Indikator eines Indikators beruht. Die zu Grunde liegenden Kursdaten des Basiswertes werden also mehrfach geglättet, bevor das MACD - Momentum sichtbar wird. Daraus ergeben sich Verzögerungen im Indikatorverlauf, sowie Verzerrungen, die in Fehlsignalen resultieren können.
Kritische Würdigung: Der Indikator ist auch wie andere Indikatoren nicht unfehlbar. Er produziert für sich genommen Fehlsignale, die nur durch Kombination mit anderen Signalgebern und Trendfiltern gemindert werden können.
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Quellen

Erich FLOREK, „Neue Tradingdimensionen“
J. SCHWAGER, „Technische Analyse“
J. MURPHY, „Technische Analyse der Finanzmärkte“
John EHLERS, „The MACD Revisited“ TAS&C V.9
Thomas ASPREY, “Individual Stocks and MACD” TAS&C V.7
Tom HARTLE, “Moving Average Convergence/Divergence” TAS&C V.9
Thomas Asprey “MACD – Momentum 1 + 2” TAS&C V.6
Barbara Starr “The MACD – Momentum – Oscillator” TAS&C V.12

Equilla Skript "Hier finden Sie den Equilla-Code des Indikators"

Equilla Skript "Hier finden Sie den Equilla-Code der dazugehörigen Funktion"

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