Keltner Channel (KCH)

Wie bewerten Sie diesen Artikel?
Grundlagen: „Trading - Bands, Klappe - die Dritte!!“
Mit dem Keltner - Channel besprechen wir eine Art von Trading - Band, die schon seit über 40 Jahren bekannt ist, zeitweise aber in Vergessenheit geraten war.
Die legendäre Traderin L. B. RASCHKE führte sie in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts wieder in die Handelsräume ein. Bereits 1960 stellte C. KELTNER dieses Analysewerkzeug in seinem Buch „How to make Money in Commodities“ vor, das seinerseits als komplettes Trendfolgesystem verwendet wurde.

Der Aufbau des Indikators ist relativ einfach gestaltet und damit sehr ähnlich zu anderen Channel- oder Bandmethoden. Grundsätzlich bestehen Trading - Bänder, Channel - Systeme oder auch einfache lineare Trendkanäle aus zwei Komponenten. Die erste Komponente ist die trendbeschreibende Komponente. Das ist bei den üblichen Channels oder Bändern ein gleitender Durchschnitt der Schlusskurse, ein Durchschnitt von Mittelwerten oder eine fortlaufende Regressionslinie.
Dieser Komponente kommt die Aufgabe zu, die Trendrichtung zu beschreiben und gegebenenfalls über die Steigung der Linie auch die Trendstärke. Die zweite Komponente ist die umhüllende Komponente. Ihr kommen meist zwei Aufgaben zu. Zum einen soll sie mögliche Unterstützungs- und Widerstandsbereiche kennzeichnen. Dabei wird angenommen, dass die Kursausschläge eines bestimmten Betrachtungszeitraumes innerhalb einer festen Spanne liegen. Ober- und Unterseite dieser Spanne bilden dann Widerstand und Unterstützung. Die zweite Aufgabe der umhüllenden Komponente ist es, Extrembewegungen der Kurse besonders kenntlich zu machen. Dies geschieht meistens durch Kursausbrüche aus der Umhüllung.

Bei der Interpretation dieser Ausbrüche unterscheidet sich der Keltner - Channel deutlich von anderen Channel- und Bandsystemen. Einige der moderneren Channel- oder Bandsysteme, wie Bollinger - Bands oder auch der Keltner - Channel beinhalten dabei gleichzeitig eine Anpassung der äußeren Begrenzungen an die vorherrschende Schwankungsintensität der Kurse. Das heißt, in Zeiten stürmischer Schwankungen werden die Begrenzungen vom Mittelwert entfernt, in ruhigen Zeiten nähern sie sich diesem an. Damit sind diese Systeme besser an die Marktbedingungen angepasst.

Berechnung und Parameter: Für die Berechnung des Keltner - Channels sind mehrere Schritte nötig. Diese richten sich zum Teil nach der gewählten Variante des Keltner - Channels. Ursprünglich hat Chester Keltner für die Mittelwertberechnung zunächst den typischen oder auch gemittelten Kurs berechnet. Dies ist die durch drei dividierte Summe aus Tagesschlusskurs, Tageshöchstkurs und Tagestiefstkurs.

TP(t) = (High(t) + Low(t) + Close(t)) / 3

Viele Software – Produkte verwenden den einfachen Schlusskurs als Grundlage für die weiteren Berechnungen, da die Unterschiede nach der Durchschnittsbildung nicht gravierend sind. Von dieser Basis wird ein einfacher arithmetischer Durchschnitt gebildet und als Mittellinie im Chart dargestellt. Somit haben wir unsere trendbeschreibende Komponente bestimmt und als Linie im Chart eingezeichnet.

Avg(t) = Sum(n)(TP) / n

n = Berechnungsperiode der Mittellinie

Nun machen wir uns an die Berechnung der Kanalbegrenzungen. Beim Keltner - Channel sind diese an die vorherrschende Schwankungsintensität des Basiswertes angepasst. Keltner hat hierfür einen Durchschnitt der täglichen Handelsspanne verwendet.

Die True Range:

- Liegt das heutige Hoch über dem gestrigen Close und ist die Spanne Hoch(heute) -Tief(heute) kleiner als die Spanne Hoch(heute) - Close(gestern), wird letztere verwendet (Aufwärtsgap liegt vor).

- Liegt das heutige Tief unter dem gestrigen Close und ist die Spanne Tief(heute) -Hoch(heute) kleiner als die Spanne Tief(heute) - Close(gestern) wird letztere verwendet (Abwärtsgap liegt vor).

- Ist die Spanne Hoch(heute) – Tief(heute) größer als die beiden Sonderfälle, wird diese verwendet.

True – High(t) = Max( High(t) , Close(t-1) )
True – Low(t) = Min( Low(t) , Close(t-1) )
True – Range(t) = True – High(t) – True – Low(t)

Oder:

True – Range(t) = Max((High(t) – Low(t)) , (High(t) – Close(t-1)) , (Close(t-1) – Low(t)))

ATR(t) = Sum(n)(TR) / n

n = Berechnungsperiode Average – True – Range (ATR)

Näheres zur ATR lesen Sie bitte im entsprechenden Beitrag nach. Ich habe für Abb.1 einen Vergleich programmiert. Sie sehen den Keltner – Channel im Original mit der durchschnittlichen Handelsspanne und darüber gelegt die Version mit der Average – True – Range. Es sind nur minimale Unterschiede zu erkennen.

In richtungslosen Märkten herrschen meistens kleinere Handelsspannen vor, als in trendstarken Märkten, mit starker Nachfrage oder hohem Verkaufsdruck. Das hat zur Folge, dass in trendstarken Phasen der Abstand für die Channelbegrenzung größer wird als in trendschwachen Phasen. Die Weite des Keltner - Channels ist also ein Maß für die Volatilität des Basistitels.

Für den Original Keltner - Channel ist damit die Berechnung abgeschlossen. Der Wert für die ATR wird jeweils oberhalb und unterhalb der Mittellinie abgetragen, wodurch die beiden Begrenzungslinien entstehen. Üblich ist heute jedoch noch die Verwendung eines Multiplikators, der auf die ATR angewandt wird, bevor diese von der Mittellinie abgetragen wird. In den Tradesignal Softwarepaketen ist dies ein Wert von 1.5. Eine weitere Methode ist die Halbierung des Berechnungszeitraumes der Mittellinie, um den Berechnungszeitraum für die ATR zu erhalten und diese dann mit dem Faktor zwei zu multiplizieren.

KCHupperBand(t) = Avg(t) + Faktor * Atr(t)
KCHlowerBand(t) = Avg(t) – Faktor * Atr(t)

Faktor = Multiplikator für die Bandbreite

In TradesignalOnline ist der Keltner - Channel mit einer Berechnungsperiode von sieben Tagen für die Mittellinie und die Glättung der ATR sowie einem Multiplikator von 1.5 voreingestellt. In Tradesignal Enterprise ist die Berechnungsperiode für Mittellinie und Glättung der ATR mit 20 eingestellt und der Multiplikator ebenfalls bei 1.5. Die Periodeneinstellung ist frei wählbar. Wenn Sie den Multiplikator für die ATR Werte zu groß einstellen, berauben Sie den Keltner - Channel seiner grundlegenden Funktion, nämlich der Lokalisierung von Volatilitätsausbrüchen, die beginnende Trends begleiten.
Natürlich ist es auch möglich, den Keltner - Channel in Wochen -, Monats - oder auch Intraday - Charts zu verwenden. In einem Wochenchart kann er als Trendfilter verwendet werden.
Darstellungsvarianten: Für TradesignalOnline User habe ich eine erweiterte Version des Keltner - Channels geschrieben. Sie haben die Möglichkeit die Mittellinie aus neun verschiedenen Methoden der Durchschnittsberechnung zu konstruieren. Für die Glättung der ATR stehen die gleichen Möglichkeiten zur Verfügung. Des Weiteren steht für die Glättung der ATR ein eigener Parameter zur Verfügung. Zum Testen ist es möglich, die neue Variante mit einem Original Keltner - Channel zu überlagern. In Abb.2 sehen Sie den Vergleich zwischen einem Original Keltner - Channel und der erweiterten Version darunter. Durch die verschiedenen Glättungsmethoden ist es möglich, den Kanal träger oder auch reagibler zu machen, je nach Anwendungszweck. Rote Bereiche markieren den Original Keltner – Channel, blaue den modifizierten. Die Unterschiede sind deutlich zu erkennen. Sie können den eben genannten Indikator mit ArbBer.1 downloaden.

Interpretation: Die Interpretation des Keltner - Channels weicht stark von den anderen Channel- oder Bandsystemen ab. Während bei diesen Systemen die Funktion der Bänder als Widerstand und Unterstützung im Vordergrund steht, wird beim Keltner - Channel ein mehr trendfolgender Ansatz genutzt. Er basiert auf einem sprunghaften Anstieg der Volatilität, wenn eine neue starke Trendbewegung einsetzt. Die damit einhergehende Ausweitung der Handelsspannen führt zum zeitigen Durchbrechen der Bandbegrenzung, die auf Grund der angewandten Glättung verzögert reagiert.
Bricht der Kurs aus dem oberen Band aus, wird das als Kaufsignal gewertet. Bricht er aus dem unteren Band aus, wird das als Verkaufssignal gewertet. Ist der Multiplikator für die ATR zu groß gewählt, erfolgen diese Ausbrüche recht spät und viel von der Trendbewegung bleibt ungenutzt.
Haupteinsatzgebiet für den Keltner – Channel sind Trendfolgesysteme.

Alternativ kann auch eine Rückkehr von außerhalb der Bänder zurück in die Bänder als Handelssignal verwendet werden. Kommt der Kurs von unten in den Channel zurück, gilt dies als Kaufsignal, kommt er von oben zurück, als Verkaufssignal. In Abb.3 sehen Sie einen Dow Jones Tageschart mit dem Keltner - Channel in der Standardeinstellung. Ich habe Handelssignale markiert, die auf dem trendgerichteten Ausbruch der Kurse basieren.

Equilla Skript "Hier finden Sie den Equilla-Code des KCH"

Equilla Skript "Hier finden Sie den Equilla-Code der Funktion KCH"

Equilla Skript "Dies ist der Equilla-Code des Testindikators"

Quellen

John MURPHY, „Technische Analyse der Finanzmärkte“
Stuart EVENS, „Keltner Channels“ TAS&C V.17
Technical – Newsletter 04/2002

Dieser Artikel, sowie die mit den verfügbaren Darstellungs- und Analysewerkzeugen erstellten und angezeigten Ergebnisse dienen ausschließlich zur Information und stellen keine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung dar. Alle Rechte vorbehalten. Vervielfältigungen, Bearbeitungen sowie sonstige unberechtigte Nutzungen werden zivil- und strafrechtlich verfolgt.