Inside Days

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Grundlagen:
Inside Days (engl., wörtlich “Innen-Tage”) sind eine der einfachsten und bekanntesten Preisformationen in Charts. Sie kommen bei kurzfristig orientierten Tradern zur Anwendung. Inside Days sind Tage, bei denen sich der Kurs des Basistitels innerhalb der Vortagesspanne bewegt.

Wie Bradford-Raschke in ihrem Artikel „Historical Volatility and Pattern Recognition“ in Stocks&Commodities festhält, fand Crabel heraus, dass diese Chartformation Hinweise auf eine mögliche schnelle Bewegung gibt, allerdings ohne von vorne herein die Richtung dieser Bewegung anzugeben. Diese schnellen Kursbewegungen können nach Auftreten eines Inside Days mehrere Prozent des Basistitels betragen.

Konditionen:
Ein Inside Day besteht in einem Candlestick Chart aus 2 Kerzen. Die Preisspanne der zweiten Kerze muss sich dabei komplett innerhalb der Preisgrenzen der ersten Kerze befinden.

1. Der Höchstkurs der vorhergehenden Kerze muss höher
   als der Höchstkurs der aktuellen Kerze sein.
2. Der Tiefstkurs der vorhergehenden Kerze muss niedriger
   als der Tiesftkurs der aktuellen Kerze sein.


Nachfolgende Grafik (wie auch Abb.1) verdeutlicht die getroffenen Defintionen:
Die übrigen Kurse, wie Eröffnungs- (open) und Schlusskurs (close), sind bei der Erkennung von Inside Days ohne Bedeutung.

Nach Thomas N.Bulkowski dürfen die Höchst- und Tiefstkurse der beiden aufeinander folgenden Tage nicht identisch sein. Aus diesem Grund wird auch die exakte Formulierung „höher“ und „niedriger“ verwendet. Es gibt in der Literatur sicherlich auch Beispiele, bei denen aufgrund der typischen verwendeten Formulierung „...muss sich innerhalb der Preisspanne des Vortages befinden....“ von „höher oder gleich“ und „niedriger oder gleich“ ausgegangen wird. Dabei mag es sich aber um eine Art aufgeweichte Form der ursprünglichen Formulierung handeln, weswegen hier nicht weiter auf diesen Fall eingegangen wird.

Folgen zwei Inside Tage aufeinander, so spricht man allg. von einem „Doppelten Inside Day“ (siehe auch Abb.2). Diesem wird gerne eine höhere Bedeutung als einem einzelnen Inside Day beigemessen, denn es wird von einer noch stärkeren Bewegung als bei einem einfachen Inside Day ausgegangen.

Interpretation:
Durch das vollständige Umschließen der Handelsspanne des Vortages liegt am aktuell betrachteten Tag eine geringere Kursbewegung vor. Aufgrund derer sinkt die Volatilität (Beweglichkeit) des Basistitels. Niedrige Volatilität kann aber auf einen Ausbruch (sehr schnell steigende Volatilität) hindeuten. In Zeiten geringer Volatilität sind sich die Marktteilnehmer nicht sicher, in welche Richtung es gehen soll. Es wird oft auf Impulse gewartet, die dann das nachfolgende Marktgeschehen bestimmen werden. Es kommt in solchen Momenten zu dem Effekt, dass nach Beginn einer steigenden Kursbewegung immer weiter und dann auf breiter Ebene gekauft wird. Gleiches gilt umgekehrt für fallende Kurse, in die dann mehr und mehr Verkaufsorders einfließen.

Ein Inside Day zieht nach Bulkowski eine deutliche Veränderung des Preises nach sich. Dabei sind aber weder für den Zeitpunkt noch für die Stärke und Richtung der vermuteten Preisbewegung exakte Angaben zu finden, wie durch ihn betont wird.

Innerhalb von steigenden Märkten hat Bulkoswki herausgefunden, dass rd. 62% der auftretenden Inside Days eine Konsolidierung des Trends kennzeichnen. Eine dem Trend entgegengerichtete Bewegung war in solchen Märkten bei ca. 56% der auftretenden Inside Days erkennbar. Dies lässt ebenfalls erkennen, dass eine Richtung der folgenden Bewegung nicht alleine aus dem Auftreten eines Inside Days abgeleitet werden kann.

Inside Days sollten demnach als Signale einer möglichen anstehenden Veränderung interpretiert werden. Hierbei handelt es sich weniger um Umkehrsignale denn um schnelle Kursbewegungen, die diesem Kursmuster folgen.

Innerhalb des DAX wurden in den letzten 2500 Handelstagen 259 Inside Days erkannt und durch den Autor ausgewertet. Es wurde dazu der Eröffnungskurs des auf den Inside Day folgenden Tages als Basis genommen, die nachfolgenden 15 Handelstage dann mit ihren Schlusskursen herangezogen. So kann über 15 Tage eine Wertentwicklung in Indexpunkten aufgezeichnet werden. Diese Daten wurden dann als Fläche gemäß Abb.7 dargestellt wobei die Wertentwicklung auf der Z-Achse und somit der Fläche selber dargestellt wurde (die 259 Inside Days sind auf 2 Diagramme der besseren Darstellung wegen aufgeteilt). Die Höhe der Fläche und somit die Kursentwicklung ist in 4 Bereiche aufgeteilt, welches der Legende in der entsprechenden Abbildung entnommen werden kann.

Als Wichtigste Aussage die man aus dieser Darstellung ablesen kann ist festzuhalten, dass es ein "vertikales Muster" in den beiden Flächen gibt! Dies wiederum bedeutet, dass anscheinend eine hinreichende Menge an Inside Days existieren, auf die eine eindeutige Kursbewegung folgt.

Anders ausgedrückt scheinen auf einen Inside Day entweder fallende ODER steigende Kurse zu erfolgen. Ein Richtungswechsel der Kursentwicklung würde sich in der hier gewählten Flächendarstellung als "horizontales Muster" auswirken oder ein ständiges Wechselspiel zwischen positiven und negativen Flächen hervorrufen. Dies ist aber nicht der Fall!

Anwendungsbeispiele:
In den beiden Charts von DAX (RIC: .gdaxi, siehe Abb.1) und Allianz (RIC: ALVG.DE, siehe Abb.3) sind die erkannten Inside Days markiert.

Exemplarisch sind im Chart gemäß Abb.3 der Allianz die dann folgenden größeren Preisbewegungen hervorgehoben. Es wird in diesem Beispiel von einem Zeithorizont von 6 Tagen ausgegangen, über die sich die erkannte Bewegung erstreckt.

Um nun Inside Days innerhalb einer Handelsstrategie einsetzbar zu machen, empfiehlt es sich nach Meinung des Autors, diese als Signale auf ein bevorstehendes Ereignis zu betrachten (s.o.). Da die Stärke und vor allem die Richtung am Tag des Auftretens noch unbekannt sind, sollte man mittels Stopbuy-Orders am folgenden Tag an einem Ausbruch partizipieren.

Dazu legt man noch vor Handelsbeginn jeweils eine Kaufs- und eine Verkaufsorder in den Markt, welche sich kurz unterhalb bzw. kurz oberhalb der Tiefst- und Höchstkurse des gestrigen Tages bewegen. Wenn der Kurs dann in die eine Richtung ausbricht, streicht man die entgegen gesetzte Order und handelt entsprechend des ersten Ausbruchs. Initiale Stopploss-Order helfen einen möglichen Verlust zu begrenzen, wenn der Kurs sich entgegen des ersten Ausbruchs bewegt. In Abb.6 sind drei Fälle für einen Short-Trade mit jeweiligem Buy-Trigger und einem beispielhaften Stopp-Loss eingezeichnet.

Der Ausstieg aus der so eingegangenen Position kann sich zum einen nach Erreichen eines festgelegten Zieles, nach Verstreichen einer definierten Zeitspanne oder zum Handelsende des auf den Inside Day folgenden Tages anbieten.

Als Hilfsmittel zur Abschätzung, in welcher Richtung der Ausbruch erfolgen wird, bieten sich Trenderkennungstechniken an. Hierbei kann ein einfacher Gleitender Durchschnitt genauso zur Anwendung kommen wie komplexere Systeme. Da u.a. auch Bulkowski nach Auftreten eines Inside Days eher von einer Fortsetzung des Trends ausgeht, werden sich Trades in Richtung des zugrundliegenden Trends einfacher umsetzen lassen, als gegen den Trend zu handeln. In Abb.4 ist als grundlegende Trenderkennung ein kurzfristiger Gleitender Durchschnitt mit n=10 Perioden hinterlegt.

Kritische Würdigung:
Inside Days treten vergleichsweise häufig auf. Sie liefern im ersten Ansatz keine Aussagen über die Richtung der anschließenden Kursbewegung. Weiterhin sind Inside Days kein Garant für schnelle Ausbruchsbewegungen des Basistitels. Sie eignen sich demnach auch nicht für eine längerfristige Positionierung. Ihr Einsatz mit kurzfristigen Zeithorizonten hingegen kann unter Verwendung von passenden Ein- und Ausstiegsszenarien gewinnbringend sein.

Der Einsatz von Indikatoren wie dem MACD oder der Stochastik kann in Verbindung mit Inside Days sinnvoll sein. Hierbei sollte auf das Zusammenspiel zwischen sich ankündigenden Überschneidungen in MACD oder Stochastik und dem Auftreten eines Inside Days geachtet werden (Abb.5).

Auf jeden Fall sollte die Verwendung von Inside Days mit einer auf den Basistitel zugeschnittenen Analyse der Vergangenheit abgerundet werden. Hier hilft die einfache Betrachtung, in welche Richtung sich die Kurse nach einem Inside Day entwickelt haben, wie stark diese Bewegungen im Durchschnitt waren und wie lange sie ggf. angehalten haben. Somit können Rückschlüsse auf zukünftige Ereignisse gezogen und ihre Handelbarkeit erhöht werden, da u.a. mögliche Ausstiegspunkte aus statistischer Sicht durch die Daten der Vergangenheit hergeleitet werden können.

Quellen:
Day Trading with Short-Term Price Patterns
Toby Crabel, Traders Press, Greenville

Tiny Chart Patterns: Stinkers or Stalwarts?
T.N.Bulkowski, Stocks & Commodities, April 2004

Historical Volatility and Pattern Recognition
L.Connors, L.Bradford Rascke, Stocks & Commodities, August Volume 14

The Encyclopedia of Technical Market Indicators
R.W.Colby, McGraw-Hill, New York, 2002

The Inside Day Trading Technique
Jeff Bailey, www.optioninvestor.com

Inside Days helfen beim Zocken
Thomas Bopp, www.faz.net, März 2002

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Stefan 'nordie' Mohr

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