Gaps und Tradingchancen

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-Teil III: Eine statistische Untersuchung zum Nasdaq 100 Index-

Im dritten und letzten Teil meiner Untersuchung zum Nasdaq-100-Index geht es um den „internen Trend“ von Gaps, definiert als der Zeitraum zwischen Gap-Eröffnung und -Schluss. „Traditionell“ wird dieser Part als interessant angesehen, vermutet man doch aufgrund des Gap-Charakters eine Ausbruchsbewegung, die für aktives Trading genutzt werden könnte.

Mit anderen Worten: angenommen wird, dass ein Gap als Ausbruchsbewegung eine Kursbewegung einleitet, die von einer „relevanten“ Größe ist, so dass ein „profitabler“ Trade möglich ist. Insofern wird das Tradingpotential von Gaps thematisiert.

Das Prüfverfahren
Als erste Aufgabe liegt die Größenbestimmung des internen Trends an. Als „faire Basis“ wird der Schlusskurs des Gap-Tages verwendet, denn bis kurz vor Börsenschluss ist ja noch offen, ob dieser Tag ein Gap bildet. Bei einem Aufwärts-Gap wird dann beispielweise der höchste Hochkurs (= Trendmaximum) - das Highest High bis zum Gap-Schluss - während des internen Trends bestimmt. Die Differenz zwischen Schlusskurs des Gap-Tages und dem Trendmaximum wird dann auf den Schlusskurs bezogen und im folgenden als „Trendpotential“ bezeichnet. Die erste Abbildung zeigt diese Begriffe:
Analoges gilt für die Abwärts-Gaps, hier wird aber der tiefste Tiefkurs (= Trendmaximum) während des internen Trends verwendet.

Das Trendpotential wird dann ins Verhältnis zu einem Vergleichskriterium gesetzt. Zum Vergleich verwende ich hier eine Art Minimalkriterium, die durchschnittliche Tagesspanne von 200 Tagen. Alternativ wäre natürlich auch der Average True Range oder ein ähnlicher Indikator möglich.

Ergebnisse
Abbildung 2 zeigt die Trendpotentiale aller geschlossenen Aufwärts-Gaps des Nasdaq-100-Index vom 01.10.1985 bis zum 07.03.2003 an.
Anmerkung: Die x-Achse (Abszisse) ist die Gap-Dauer in Handelstagen, bei gleich großer Gap-Dauer sind die Werte nach der Größe des Trendpotentials sortiert.

Die intuitiv einleuchtende These aus meinem zweiten Gap-Artikel, dass das Trendpotential lange offener Gaps mit der Gap-Dauer in einem Zusammenhang steht, wird hier aufgezeigt und stützt die Verfahrensweise dieses Artikels. Im weiteren Verlauf interessieren aber wiederum nur die Gaps mit einer Dauer von bis zu 15 Tagen.

Abbildung 3 zeigt die Aufwärts-Gaps mit eben genannter Dauer im Vergleich zwischen Trendpotential und Tagesspanne als Vergleichskriterium. „Die“ Frage ist, wie viel größer sind die Trendpotentiale gegenüber dem Vergleichskriterium?
Wie man deutlich erkennen kann, sind die Trendpotentiale nur in einigen Fällen größer als die durchschnittliche 200-Tagesspanne! Mit anderen Worten: von 39 Gaps liegen die Trendpotentiale nur in 8 Fällen ( ~ 20,51%) über der Tagesspanne. Damit disqualifizieren sich Nasdaq-100-AufwärtsGaps als Ausbruchsbewegungen!

D. h. aber nicht, man könne mit den internen Trends keine profitablen Trades machen, sondern nur, dass die internen Trends in gut 80 % der Fälle keine herausragende Höhe besitzen! Denn das durchschnittliche Trendpotential liegt bei ca. 2,47 %, ohne die Gaps mit eintägiger Dauer bei 2,86 %. Vergleichend hierzu die Tagesspanne: über alle Tage liegt der Wert bei 3,55 %, ohne die Tage mit eintägigen Gaps bei 3,70 %.
Die Ironie hierbei ist, dass die durchschnittlichen Intraday-Bewegungen größer sind als die durchschnittlichen Trendpotentiale der Gaps, was angesichts dessen eher für Intraday- denn für Gap-Trading spricht.

Für die Abwärts-Gaps wird die Besprechung deutlich gekürzt, da sie zu keinen wesentlich anderen Erkenntnissen kommt.

Abbildung 4 zeigt die oben genannten Größen für alle geschlossenen Abwärts-Gaps.
Auch hier sieht man sehr gut, wie der Zusammenhang zwischen Trendpotential und Gapdauer bei lange offenen Gaps besteht. Verglichen werden wiederum nur die Gaps mit bis zu 10 Tagen Dauer.

Von den Trendpotentialen der 36 Abwärts-Gaps sind nur 6 (~ 16,67 %) größer als die durchschnittliche Tagesspanne. Das Trendpotential aller Abwärts-Gaps liegt bei 2,33 % (Tagesspanne 3,76 %), ohne die eintägigen Gaps bei 2,94 % (Tagesspanne 3,83 %).

Fazit
Untersucht wurde das Chancenpotential von internen Trends bei Gaps des Nasdaq-100-Index. Dabei hat sich herausgestellt, dass mehr als 80% der internen Trends der Gaps - unter den als für Trading realistisch gesetzten Bedingungen (Schlusskurs des Gap-Tages als Ausgangskurs)- noch nicht einmal größer als die jeweilige durchschnittliche Tagesspanne sind.

Trading-Strategien auf Basis von internen Trends bei Gaps haben deswegen im Durchschnitt ein geringeres Chancenpotential als Intraday-Trading-Strategien. Angesichts dessen kann man bei Gaps nicht von Ausbruchsbewegungen mit Nachhaltigkeit sprechen.

Gesamtfazit
Die Ergebnisse aus allen drei Artikeln zum Nasdaq-100-Index lassen sich wie folgt resümieren:
- Gaps wurden zu rund 90 + x % geschlossen
- gut 80 % der Gaps wurden innerhalb weniger Tage geschlossen
- zwischen der Gap-Dauer und der Gap-Größe bestand kein Zusammenhang
- Gaps indizierten keinen „nennenswerten“ Beitrag zur Richtungsbestimmung
  nach Gap-Schluss (externer Trend)
- die Trendpotentiale für Trades in Gap-Richtung waren vergleichsweise sehr
  gering
- lediglich die lange offenen Gaps könnten profitabel genutzt werden; was aber 
  praktisch nicht umsetzbar ist, da die Dauer bei Gap-Eröffnung nicht bekannt 
  ist
- nur Gaps gleichen Typs in Folge scheinen Trends zu indizieren (Trendphänomen)

Einzelne Gaps sind nach den vorliegenden Ergebnissen beim Nasdaq-100-Index vernachlässigbare Chartphänomene und für EOD-Trading nicht geeignet, Handelsstrategien zu verbessern.

Michael Vogt

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