Average Directional Index (ADX)

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Grundlagen: Mit dem Average Directional Index (ADX) besprechen wir die dritte Komponente des Directional Movement Konzeptes von W. WILDER, welches er bereits in den späten 70er Jahren vorgestellt hat. Sie sollten zuerst den Beitrag zum Directional – Movement – Index (DMI) lesen.
Es handelt sich hierbei um ein Indikatorenkonzept, das es uns erlaubt, sowohl Trendstärke als auch Trendrichtung zu bestimmen. Während wir mit den beiden Teilindikatoren +DI und –DI hauptsächlich die Trendrichtung bestimmen, wird der ADX ausschließlich für die Bestimmung der Trendstärke verwendet. Der ADX ist die geglättete Variante des Directional Movement Index.
Wie ich schon im DMI Artikel beschrieben habe, existieren in zahlreichen Quellen ebenso zahlreiche Variationen dieser Glättung. WILDER verwendete anscheinend eine einfache Glättung der Werte. In heutigen Softwareprodukten wird eine exponentielle Glättung verwendet.
Berechnung und Parameter: Der ADX ist, wie schon angedeutet, die geglättete Version des Directional Movement Index (DMI). Die detaillierte Berechnung des DMI und seiner Teilindikatoren +DI und –DI entnehmen Sie bitte dem Beitrag zum DMI.
Kurz zusammengefasst erhalten wir die beiden Teilindikatoren +DI und –DI, indem zunächst die aufwärtsgerichteten und abwärtsgerichteten Kursveränderungen ermittelt werden. Diese Werte werden geglättet und durch die ebenfalls geglättete True Range dividiert. Die geglätteten aufwärtsgerichteten Kursveränderungen, als +DM (Positive Directional Movement) bezeichnet, dividiert durch die geglättete True Range, ergeben den +DI (Positive Directional Index). Die geglätteten abwärtsgerichteten Kursveränderungen, als –DM (Negative Directional Movement) bezeichnet, dividiert durch die geglättete True Range ergeben den –DI (Negativ Directional Index).
Als nächster Schritt erfolgt die Berechnung des Directional Movement Index (DMI). Dazu wird der absolute Wert der Differenz von +DI und –DI durch die Summe beider Werte dividiert. Um den Average Directional Movement Index zu erhalten muss der DMI geglättet werden. Auch an dieser Stelle möchte ich darauf verweisen, dass es in vielen Quellen widersprüchliche Angaben über die in den Berechnungen verwendeten Glättungsmethoden gibt. Es werden sowohl einfache arithmetische Durchschnitte als auch exponentielle Durchschnitte zur Berechnung verwendet.
Berechnung und Parameter: Im Artikel zum DMI habe ich auf die Besonderheiten im Tradesignal Express verwiesen. Dort existieren zwei Indikatoren mit unterschiedlicher Glättung. Ein Vergleich mit dem Indikator aus Tradesignal Enterprise zeigt, das der als Reuters Version bezeichnete Tradesignal Express Indikator mit exponentieller Glättung arbeitet, wie eben der Indikator aus Tradesignal Enterprise auch.

Formeln mit einfacher arithmetischer Glättung:

Wenn High(t) > High(t-1) dann +DM(t) = High(t) – High(t-1)
Sonst +DM(t) = 0

Wenn Low(t) < Low(t-1) dann -DM(t) = Low(t-1) – Low(t)
Sonst –DM(t) = 0

Die True Range:

- Liegt das heutige Hoch über dem gestrigen Close und ist die Spanne Hoch(heute) -Tief(heute) kleiner als die Spanne Hoch(heute) - Close(gestern), wird letztere verwendet (Aufwärtsgap liegt vor).

- Liegt das heutige Tief unter dem gestrigen Close und ist die Spanne Tief(heute) -Hoch(heute) kleiner als die Spanne Tief(heute) - Close(gestern) wird letztere verwendet (Abwärtsgap liegt vor).

- Ist die Spanne Hoch(heute) – Tief(heute) größer als die beiden Sonderfälle, wird diese verwendet.

True – High(t) = Max(High(t) , Close(t-1))
True – Low(t) = Min(Low(t) , Close(t-1))
True – Range(t) = True – High(t) – True – Low(t)

Oder:

True – Range(t) = Max((High(t) – Low(t)) , (High(t) – Close(t-1)) , (Close(t-1) – Low(t)))

Die beiden Directional – Indikatoren:

+DI(t) = (Sum(n)(+DM) / n ) / (Sum(n)(True – Range) / n) * 100
-DI(t) = (Sum(n)(-DM) / n ) ( (Sum(n)(True – Range) / n ) * 100

n = Berechnungsperiode

Formel DMI:

DMI(t) = abs(+DM(t) - -DM(t)) / (+DM(t) + -DM(t)) * 100
Formel ADX:

ADX(t) = Sum(n)(ADX) / n

n = Berechnungsperiode

Die Formeln beinhalten statt der exponentiellen eine einfache arithmetische Glättung. Für die grafische Darstellung reicht dies aus. Abschließend will ich noch den ADXR erwähnen. Das ist eine zusätzlich geglättete ADX Version. Zur Berechnung wird der aktuelle ADX Wert mit dem ADX Wert vor n-Perioden addiert und diese Summe durch zwei dividiert.

ADXR(t) = (ADX(t) + ADX(t-n) ) / 2

n = Berechnungsperiode

Es wird in der Regel eine Periodeneinstellung zwischen fünf und 20 Tagen verwendet, nach oben ist jedoch keine Grenze gesetzt. Zusätzlich können in der ADX - Werteskala Extrembereiche markiert werden, die jedoch vom Basiswert abhängen und auf diesen individuell abgestimmt werden sollten. Die untere Begrenzungslinie soll einen Bereich ohne nennenswerte Trendaktivität markieren, die obere Begrenzung einen Bereich starker Trendaktivität. Die Werte für den unteren Bereich bewegen sich zwischen 15 und 30 und die der oberen zwischen 30 und 45.

Interpretation: In Abb.1 sehen Sie den ADX im Dax - Tageschart. Der ADX wird als Trendstärkeindikator verwendet. Er zeigt an wie stark eine trendgerichtete Bewegung verläuft. Wie Sie in Abb.1 erkennen können habe ich einige der von ADX als „stark“ angezeigten Trendphasen markiert. Er ist jedoch nicht in der Lage eine Trendrichtung anzuzeigen. Das ist wichtig zu beachten, um nicht eventuell in die Falle zu tappen. Ein aufwärtsgerichteter ADX bedeutet nur steigende Trendintensität, er besagt aber nicht, dass ein Aufwärtstrend vorliegt; ein fallender ADX zeigt lediglich eine nachlassende Trendintensität an aber keinen Abwärtstrend. Besonders für Anfänger ist das oft verwirrend.
Befindet sich der ADX unterhalb seiner unteren Skalenabgrenzung, die in der Regel wie oben beschrieben bei Werten um 20 zu finden ist, wird davon ausgegangen, dass im Markt keine trendgerichtete Bewegung stattfindet. Mit steigender Trendintensität nach unten oder oben wird der ADX beginnen zu steigen. Erreicht er die obere Skalenmarkierung, die meist zwischen 30 und 45 liegt, geht man von einem sehr starken Trend aus, der sich im Einzelfall noch einmal deutlich verstärken kann.
In der Literatur werden zahlreiche Verwendungsmöglichkeiten geschildert, von denen ich die wichtigsten hier anführen möchte:

- Der ADX zeigt an, ob eine trendgerichtete Bewegung vorliegt
- Individuelle Extremzonen helfen diese Entscheidung zu treffen
- Steigung und Richtung des ADX sind ein Maß für Trendstärke
- Der ADX hilft zu entscheiden, welche Handelsansätze zu verwenden sind
- Bei fallendem ADX oder sehr niedrigen Werten sind Oszillatormodelle profitabel
- Bei steigendem ADX sind Trendfolgemodelle erfolgreich
- Der ADX hilft, Kursausbrüche zu bewerten
- Breakouts bei fallendem ADX sind meist False Breakouts
- Der ADX filtert Oszillatorsignale wie z.B. die der Slow Stochastik
Ich möchte Ihnen ausdrücklich empfehlen, in ERICH FLOREKS Buch „Neue Tradingdimensionen“ die Seiten 228 bis 242 zu lesen, um mehr über die Verwendung des ADX in Handelskonzepten zu erfahren.
Kritische Betrachtung: Der ADX ist der meistverwendete Trendstärke Indikator. Das bedeutet jedoch nicht, dass er unfehlbar ist. Durch die verschiedenen Glättungsvorgänge während der Berechnung unterliegen die Signale des ADX einer nicht unerheblichen zeitlichen Verzögerung. Durch fortschrittlichere Glättungsmethoden kann versucht werden, diese Verzögerung so gering wie möglich zu halten. Bedingt durch die Glättung ist der Indikator durch schnelle und besonders steile Kursbewegungen überfordert.

QUELLEN:
ERICH FLOREK „Neue Tradingdimensionen“.
STUART EVANS „Directional Movement“, TAS&C V.17
TOM HARTLE „The Average Directional Movement Index“, TAS&C V.9
ADAM WHITE “Filtering Breakouts”, TAS&C V.11
BARBARA STARR “How the Pros use ADX”, TAS&C V.17

Equilla Skript "Hier finden Sie den Equilla-Code des Indikators"

Equilla Skript "Hier finden Sie den Equilla-Code der Funktion ADX"

Equilla Skript "Hier finden Sie den Equilla-Code der Funktion DirMovement"

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