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22.07.2019
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DAX vor saisonal schwächster Jahresphase

Kagels Trading GmbH
http://www.kagels-trading.de

Analyst: Björn Heidkamp

Markt: DAX-Index (Xetra)
Zeitpunkt der Analyse: 21.07.2019
Letzter Kurs: 12.260 Indexpunkte

DAX vor saisonal schwächster Jahresphase

Der abgebildete Chart zeigt die langfristige Kursentwicklung des deutschen Aktienindex DAX von 1990 bis heute, bei Kursen von 12.260 Indexpunkten. Jeder Notierungsstab stellt die Kursbewegung des DAX für ein Quartal dar.
Durch die starke Abwärtsbewegung im letzten Quartal 2018 wurde der seit 2009 bestehende langfristige Aufwärtstrend unterschritten. Die Kurse des deutschen Börsenbarometers stürzten bis Ende Dezember auf 10.279.
Ausgehend von diesem Marktwendepunkt meldeten sich die Bullen Anfang des Jahres zurück. In einer beeindruckenden Aufwärtsbewegung stieg der Dax um mehr als 23% innerhalb eines halben Jahres und erreichte am 04. Juni bei 12.656 das bisherige Jahreshoch.

Notierungslücke (Gap) auf dem Quartalschart

Anfang Juni eröffnete der DAX mit einer Notierungslücke auf den Charts der großen Zeiteinheiten, wie dem Halbjahres-, dem Quartals-, und dem Monatschart. Erfahrungsgemäß treten derartige Kurslücken nicht sehr oft auf den langfristigen Zeiteinheiten auf. Ferner stellen diese Art von Notierungslücken häufig emotionale Extreme dar, so dass für die Bullen die Gefahr einer „Schlüsselumkehr“ (Key-Reversal) besteht.

Relative Schwäche gegenüber US-Pendants

Während die US-Märkte um den S&P 500 neue historische Bestmarken in den Chart geschrieben haben, fehlen dem deutschen Börsenbarometer aus jetziger Sicht über 10% zum Erreichen dieser bedeutsamen Chartmarke. Für alles andere als ein Fortschreiben dieser relativen Schwäche lassen sich wenige Begründungen finden.

Das langfristige technische Bild bleibt weiter eingetrübt, technische Oszillatoren, wie beispielsweise der MACD auf Quartalschart bleiben auf Verkauf und sollten von den Bullen neben dem Unterschreiten des langfristigen Aufwärtstrends als Warnhinweise charakterisiert werden.

Mittelfristiger Aufwärtstrend intakt, aber erste Divergenzen entstanden

Aus der mittelfristigen Perspektive des Wochencharts befindet sich der DAX in einem klaren Aufwärtstrend. Bis dato wurde noch keine obere Umkehrformation ausgebildet. Die Abwärtsbewegung seit Anfang Juli ist lediglich als Korrektur im Aufwärtstrend zu werten.

Negativ zu beurteilen sind die ersten negativen Divergenzen in einzelnen wichtigen Indikatoren, wie beispielweise dem eingezeichneten Stochhastik-Indikator. Als negative Divergenz bezeichnet man in der technischen Analyse eine Situation, in welcher der Kurs des Underlyings noch neue Hochs erzielt, während der Indikator keine neuen Höchststände erzielen kann. Im Normalfall erreichen Kurs und Indikator gleichzeitig neue Höchststände.
Negative Divergenzen weisen zum Beispiel darauf hin, dass der Kaufdruck der Bullen nachlässt und der Markt korrekturanfälliger wird.
Beginn des negativen saisonalen Zeitraums

Traditionell ist das Sommerquartal das einzige, das im Mittel seit über 40 Jahre durchschnittlich Verluste verzeichnete. Insbesondere ab Mitte Juli nahen für den DAX die historisch gesehenen schwächeren Monate.
Abgeleitet aus der Vergangenheit erreichte der DAX Mitte/Ende Juli einen lokalen Hochpunkt. In den Folgemonaten bis Oktober geriet das deutsche Börsenbarometer meist in schwieriges Fahrwasser. Mit August und September stehen die größten saisonalen Problemfälle des Jahres für die Aktionäre des deutschen Marktes an.

Fazit:

Das langfristige Chartbild bleibt nicht zuletzt durch das vierte Quartal 2018 eingetrübt. Die technischen Verkaufssignale wichtiger langfristiger Indikatoren konnten noch nicht neutralisiert werden.
In der Zeitzone des mittelfristigen Wochencharts befindet sich der DAX seit Ende Dezember in einem klaren Aufwärtstrend. Der Zusammenhang aus der angegebenen technische Divergenz und der schwächsten saisonalen Phase des Jahres begrenzt das Aufwärtspotential und macht ein Fortschreiben der relativen Schwächen gegenüber den US-Märkten wahrscheinlich.

Sollte der DAX den Widerstandsbereich um 12.656 überschreiten, eröffnet sich weiteres Kurspotential bis zur nächsthöheren Widerstandsebene zwischen 12.800 und 13.000. Für einen stärkeren Kursanstieg in den nächsten Wochen fehlen momentan die technischen und saisonalen Hinweise.

Schafft es der DAX jedoch über der aktuellen Bestmarke bei 13.597 zu handeln, oder eine noch nicht ausgebildete langfristige untere Umkehrformation auszubilden, dreht die Situation wieder eindeutig auf Kauf.

Während die Luft nach oben dünner wird, scheint der mittelfristige Spielraum nach unten größer zu sein: Bei Kursen unter 12.000 ist ein Test des starken Unterstützungsbereiches zwischen 11.830 und 11.600 zu rechnen. Bei Kursen darunter ist mit einer Beschleunigung der Abwärtsbewegung zu rechnen. Diese Korrektur kann in den Bereich zwischen 11.400 und 11.200 führen, ohne den Aufwärtstrend des Jahres 2019 zu gefährden.

Erklärung nach § 85 WpHG

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