Momentum (MOM)

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Grundlagen: Das Momentum ist einer der am meisten verwendeten…..!
Wie viele dieser „... am meisten verwendeten technischen Indikatoren...“ es auch geben mag, das Momentum liegt in dieser Aufzählung auf dem Spitzenplatz. Und obwohl es so einfach zu berechnen ist, das man nicht einmal einen Taschenrechner benötigt, ist es keiner anderen technischen Studie bisher gelungen, es von diesem Platz zu verdrängen. Vielleicht liegt in dieser Einfachheit gerade der Erfolg begründet. Schließlich gibt es nicht umsonst den so genannten KISS Ansatz in der technischen Analyse „Keep It Simple and Stupid“! In jeder noch so veralteten Chartsoftware ist das Momentum als Standardindikator enthalten.
Die Verwendungsmöglichkeiten des Indikators sind so vielfältig, dass ich diese wahrscheinlich nur unvollständig wiedergeben werde. Eine der ersten Quellen, die ich zum Thema fand, ist das 1978 erschienen Standardwerk „New Concepts in technical Trading Systems“ von W. WILDER. In diesem Buch stellte er einige dieser „... am meisten verwendeten technischen Indikatoren ...“ vor.
Das Momentum beschreibt die Beschleunigung und Verlangsamung von Kursbewegungen. Eine einfache Grafik, aus WILDERs Buch entliehen, soll dies verdeutlichen.
Trendbewegungen in Aktien, Indizes oder irgendeinem anderen gehandelten Wert laufen nicht mit einheitlicher Geschwindigkeit ab. Sie beschleunigen, werden langsamer, erreichen einen Hochpunkt im Aufwärtstrend oder einen Tiefpunkt im Abwärtstrend, beschleunigen wieder und so weiter.
Viele Märkte verlaufen in mehr oder weniger langen und gleichmäßigen Zyklen. Abhängig vom Zeitrahmen, in dem das Momentum ermittelt wird, ist es in der Lage, diese Zyklen zu erfassen, untergeordnete Zyklen sichtbar zu machen oder noch kleinere Kursschwankungen zu messen. In laufenden Trendbewegungen macht das Momentum Schwächen sichtbar, die auf mögliche Wendepunkte hinweisen. Das Momentum - Konzept dient als Basis vieler weiterer Analysemethoden. Eine wichtige Eigenschaft des Momentums ist dessen Vorlaufcharakter. Es erreicht seinen Extremwerte sehr oft, bevor der Kurs des Basiswertes einen Extremwert erreicht hat.

Berechnung und Parameter: Die Berechnung des Momentum - Indikators ist so einfach, das einige, die diese noch nicht kennen, an einen Irrtum glauben. Es wird vom aktuellen Schlusskurs der Schlusskurs von vor N - Tagen abgezogen. Natürlich kann das Momentum auch in anderen Zeitrahmen berechnet werden, angefangen vom Minuten Chart bis hin zu Monatschart. Als Grundeinstellung finden Sie in fast allen Softwarelösungen 10 Einheiten. Es existieren aber auch andere Einstellungen die sehr sinnvoll sind. Zum Beispiel für die Analyse längerfristiger Trends in Wochen- oder Monatscharts bietet sich eine längere Einstellung von 30 oder 40 Kurseinheiten an. Je kürzer die Berechnungsperiode des Momentums ist, desto unruhiger schwingt es um seine Mittellinie. Je länger die Berechnungsperiode gewählt wird, umso stärker wird der trendfolgende Charakter des Indikators betont. Um eine exakte Bestimmung der Berechnungsperiode vorzunehmen, müsste eine Zyklenanalyse des zu beobachtenden Marktes durchgeführt werden. Die Berechnung des Indikators sollte dann etwa auf einen halben Bewegungszyklus erfolgen. Auf diese Art und Weise sind viele der so genannten Standardeinstellungen diverser Indikatoren zu Stande gekommen.

Formel:
Mom(t) = Close(t) – Close(t-n)

Darstellungsvarianten: In der Regel wird der Momentum - Indikator als durchgezogene Linie, die um ihre Mittellinie schwingt, dargestellt. In Abb.1 sehen Sie diese herkömmliche Darstellung. In Abb.2 sehen Sie das Momentum als farbig gezeichnete Forest - Darstellung. Dabei werden alle Werte, die im Vergleich zum vorherigen Wert gestiegen sind, grün dargestellt und alle Werte die im Vergleich zum vorherigen Wert gefallen sind, rot abgebildet. Diese Darstellung hilft, kleinere Schwankungen besser zu erkennen.

Interpretation: Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, mit dem Momentum - Indikator zu arbeiten. Zuerst möchte ich etwas auf die genaue Aussage des Momentums eingehen:

Das Momentum misst die Kraft, die hinter einer Kursbewegung steckt. Befindet sich ein Markt in einem Aufwärtstrend und das Momentum liegt über der Nulllinie, bedeutet ein weiteres steigen des Indikators, dass die Kurse sich mit zunehmender Beschleunigung bewegen.
Gleiches gilt für einen Abwärtstrend: ein unter der Nulllinie liegendes und weiter fallendes Momentum bedeutet, das die Beschleunigung der Kursverluste anhält. Fängt das Momentum in diesem Fall an, zurück zur Nulllinie zu steigen, bedeutet diese eine Verlangsamung der Kursbewegung, einen Verlust an Schwungkraft.
Das Momentum macht die innere Beschaffenheit eines Marktes sichtbar. Ist der Trend gesund, zeigt sich dies ebenso, wie ein Trend, der an Kraft verliert und als anfällig für eine Wende entlarvt wird.
Das Momentum läuft dem Kurs voraus. Das heißt, es erreicht seinen Hoch- oder Tiefpunkt, wenn die Kraft, die hinter der Kursbewegung steht, am größten ist. Der Kurs kann noch eine Weile in die gleiche Richtung weiterlaufen, während der Indikator bereits in Gegenrichtung steuert.
Wird das Momentum als Trendfolgeindikator verwendet, so geschieht dies meist in Wochen oder Monatscharts, oder aber im Tageschart mit einer entsprechend langen Berechnungsperiode. Sinn dieser Einstellungen ist es, die mittel- und kurzfristigen Trends zu bestimmen, bzw. deren Wendepunkte zu markieren. In Abb.3 sehen sie einen Dax - Tageschart mit einem 40 Tage Momentum. Der trendfolgende Charakter des Indikators wird sichtbar. Die markanten Wendepunkte werden vom Indikator nachvollzogen. In Abb.4 sehen Sie einen Wochenchart des Dax mit einen 20 - Wochen - Momentum. Auch hier ist der trendfolgende Charakter deutlich zu erkennen.

Eines der Hauptanwendungsgebiete des Momentum - Indikators ist innerhalb seiner trendfolgenden Funktion die Suche nach Konvergenz und Divergenz zum Kursverlauf des Basiswertes. Konvergenz bedeutet, dass eine Extrembewegung des Basiswertes durch eine ähnliche Bewegung im Indikator begleitet wird. Steigt der Basiswert auf einen neuen Hochpunkt, sollte der Indikator ebenfalls einen neuen Hochpunkt ausbilden. In diesem Fall ist der zu Grunde liegende Kurstrend des Basiswertes intakt. Divergenzanalyse bedeutet hingegen die Suche nach Kursbewegungen, die nicht vom Indikator bestätigt werden.
Hier gelten die Regeln, die für alle anderen Oszillatoren auch gelten. Eine negative - auch bearisch genannte - Divergenz bedeutet, dass ein Hochpunkt im Aufwärtstrend des Basiswertes, der höher als der zurückliegende Hochpunkt liegt, nicht vom Indikator bestätigt wird. Der Indikator bleibt in diesem Falle unter seinem vormaligen Hochpunkt zurück. In Abb.5 sehen sie einen Chart mit markierter bearischer Divergenz.
Eine positive - auch bullisch genannte - Divergenz finden wir in einem Abwärtstrend. Ein neuer Tiefpunkt im Kursverlauf des Basiswertes, der tiefer als der vormalige Tiefpunkt liegt, wird nicht vom Indikator bestätigt. Das heißt in diesem Falle, dass der Indikator über seinem zurückliegenden Tiefpunkt zum Halten kommt. In Abb.6 sehen Sie einen Chart mit markierter bullischer Divergenz.

Wichtig ist, dass für die Divergenzanalyse auch eine Trendbestimmung vorgenommen wird. Divergenzen in trendschwachen oder gar trendlosen Phasen haben keinerlei Aussagekraft.
Viele Handelskonzepte bauen auf Divergenzen auf, bedienen sich jedoch für die direkte Signalgenerierung noch weiterer Methoden.

Kommen wir zur Erzeugung von Handelssignalen mit dem Momentum - Indikator:

Zur direkten Signalerzeugung lässt sich der Indikator vielfältig einsetzen. Die einfachste Art der Signalerzeugung ist die Verwendung der Schnittpunkte mit der Mittellinie. Schneidet der Indikator die Mittellinie von unten nach oben, gilt dies als Kaufsignal; schneidet er die Mittellinie von oben nach unten, gilt dies als Verkaufssignal. In dieser Oszillator - typischen Verwendung liegt die Gefahr, dass regelmäßig gegen einen laufenden Trend gehandelt wird. Besonders bei kürzeren Periodeneinstellungen kommen viele dieser „gefährlichen“ Signale zustande. Deshalb ist die Kombination mit anderen Indikatoren oder einem weiteren längerfristig eingestellten Momentum - Indikator als Trendfilter nötig. Momentum - Signale aus der kürzeren Zeitebene sollten nur in die Trendrichtung gehandelt werden, die der Trendfilter vorgibt.

Eine weitere Möglichkeit der Erzeugung von Schnittsignalen eröffnet sich, wenn auf den Indikator eine Signallinie berechnet wird. Dazu wird ein gleitender Durchschnitt variablen Typs verwendet. Abhängig von der Berechnungsperiode des Momentums kann der Durchschnitt auf etwa ein Drittel dieser Periode berechnet werden. Schnittpunkte zwischen Indikator und Signallinie gelten nun als Handelssignal. Auch hier gilt, dass die Verwendung eines eigenständigen Trendfilters sinnvoll sein kann.
Es bietet sich auch die Verwendung zweier weiterer Skalenunterteilungen an. Dazu werden eine Linie über der Mittellinie und eine Linie unter der Mittellinie zusätzlich im Indikator eingezeichnet. Da das Momentum einen offenen Wertebereich hat, besteht die Schwierigkeit darin, die Werte für diese Linie zu bestimmen. Entweder wird dies per Augenschein getan oder der Trader macht sich andere Möglichkeiten zu Nutze, zum Beispiel aus der Mathematik. Statistisch ermittelte Werte erhält man durch die Berechnung eines Vielfachen der Standardabweichung. Dabei handelt es sich um eine statistische Größe, die die Schwankungsbreite der zu Grunde liegenden Daten bemisst.
Die bekannten Bollinger-Bänder bieten sich damit als Hilfsmittel an. Sie können auf den Indikator angewendet werden, um dynamisch berechnete Extremzonen zu erhalten. In Abb.7 sehen sie einen Chart samt Indikator, der diese dynamisch erzeugten Bänder nutzt. In Abb.8 sehen sie eine Version mit starren Begrenzungslinien. Es existieren jetzt derart viele Möglichkeiten, diese zusätzlichen Markierungen zu nutzen, dass ich nur einige anschneiden möchte.
Je nach Tradingansatz kann der Eintritt des Indikators in die abgegrenzte Zone von außen nach innen als Handelssignal gewertet werden oder der Austritt des Indikators aus der abgegrenzten Zone von innen nach außen. Beide Ansätze haben gewisse Vorteile, aber auch Nachteile. Vorteil der ersten Methode ist es, dass ein größerer Teil einer neuen Trendbewegung verwertet wird, weil der Einstieg frühzeitiger erfolgt. Der größer zu wertende Nachteil ist, der Gefahr eines Fehlsignals zu unterliegen. Vorteil der zweiten Variante ist es, das wir in einen bereits laufenden starken Trend einsteigen. Das heißt, die Bewegung ist schon fortgeschritten. Hier besteht die Gefahr, nur den Rest der Bewegung oder gar den Extrempunkt zu erwischen. In beiden zuletzt erwähnten Abbildungen habe ich einige der Signale markiert.
Zusätzliche Möglichkeiten ergeben sich, indem Signallinie und die zusätzliche Skalenaufteilung kombiniert werden. Schnittsignale zwischen Indikator und Signallinie können nur in bestimmten Skalenbereichen zugelassen werden. Ähnliche Vorgehensweisen kennen Sie sicher vom Stochastik - Oszillator!

Die letzte Variante der Momentum - Analyse, auf die ich eingehen möchte, ist das Einzeichnen von Trend-, Unterstützungs- und Widerstandslinien. Diese haben die gleiche Bedeutung wie die entsprechenden Linien in Kurscharts. Es ist sogar möglich, Trendkanäle zu verwenden, was jedoch erst mit längeren Periodeneinstellungen sinnvoll erscheint.
Trendlinienbrüche gelten in diesem Falle als Handelssignale. Ein Beispiel finden Sie in Abb.9 Die entsprechenden Handelssignale sind für Kaufsignal grün und für Verkaufssignal rot gekennzeichnet.

Besonderheiten: Das Momentum erfüllt je nach Berechnungsperiode unterschiedliche Aufgaben. So kann es als Trendfilter, zur Zyklenanalyse sowie zur direkten Signalerzeugung als Oszillator verwendet werden.

Kritische Würdigung: Die Berechnung enthält keinerlei Glättungskomponenten. Je kürzer die Berechnungsperiode gewählt wird, umso unruhiger ist der Verlauf des Indikators. Wird der Indikator zur direkten Erzeugung von Handelssignalen verwendet, ist die Verwendung zusätzlicher Filter angeraten. Da der Indikator auf jeweils nur zwei Kurse basiert, besteht die Gefahr, durch kurzzeitige Extremwerte stark verfälschte Indikatorwerte zu erhalten.

Quellen:
  • Erich FLOREK, „Neue Trading Dimensionen“
  • www.Termintrader.com „Das Momentum“
  • MÜLLER / NIETZER, „Lexikon der technischen Indikatoren“
  • Perry KAUFMANN, „Trading Systems and Methods“
  • Welles WILDER, “New Concepts in Technical Trading Systems”
  • Stuart EVANS, “Momentum” TASC V.17

Equilla Skript "Hier finden Sie den Equilla-Code des zweifarbigen Momentum Indikators"

Equilla Skript "Hier finden Sie den Equilla-Code des Standard Indikators aus TradeSignal enterprise"

Equilla Skript "Hier finden Sie den Equilla-Code der Funktion Momentum"

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