Bollinger Bands (BBD)

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Grundlagen: „Den Markt fragen was los ist, scheint die bessere Wahl, als ihm sagen zu wollen, wo es lang geht“.

So ähnlich klingen die Worte von J. BOLLINGER, mit denen sein 1992er Artikel in TAS&C überschrieben ist. BOLLINGER geht in diesem Artikel noch einmal genau auf die Ursprünge der Tradingbänder im Allgemeinen und die der Bollinger Bänder im speziellen ein.
Ich möchte die, in diesem Artikel zur Verfügung stehenden Informationen bündeln, um Ihnen das nötige Wissen zur Entstehung, zum Aufbau und zur Nutzung der Bollinger Bänder zu vermitteln.

Die Ursprünge der Bänder und ihr Platz in der Geschichte

Die Bollinger - Bänder reihen sich in eine große Zahl an Tradingbändern ein, deren Ursprünge in den 60er Jahren liegen. Ziel der Konstruktionen war es, Indikatoren zu erfinden, die den Trends der Preisbewegungen folgen, diese sichtbar zu machen und vor allem von unbedeutenden Schwankungen zu befreien. Außerdem sollten die Bänder sinnvolle Unterstützungs- und Widerstandsebenen kennzeichnen. Ausgehend von bewährten Techniken wie dem Zeichnen von Trendlinien und von Unterstützungs- und Widerstandslinien in Aktiencharts, wurden diese weiterentwickelt über diverse Trendkanäle hin zu den ersten per Hand gezeichneten Kursbändern, die jeweils über die Hoch- und Tiefpunkte eines Charts gelegt wurden.
Ihnen allen gemeinsam war das Ziel, Ebenen zu kennzeichnen, an denen die Kurse als „hoch“ bezeichnet werden konnten, genauso wie Ebenen, an denen die Kurse als „niedrig“ galten.
Dabei umschließen die Bänder einen Kursbereich, in dem sich die zu erwartenden, normalen Bewegungen abspielen, denen keine besondere Bedeutung zu kommt.
Einen großen Einfluss auf die Entwicklung der technischen Indikatoren hat die Verbreitung der Personal Computer ab etwa Anfang der 80er Jahre. Endlich wurde es möglich, bestimmte Rechenoperationen durchführen zu lassen und die Ergebnisse grafisch darzustellen. So war es möglich, automatisch gleitende Durchschnitte zu berechnen, die als Basis für die Tradingbänder dienten.
Die bekannten Oldtimer unter ihnen, die Envelopes, sind im Prinzip parallelverschobene, gleitende Durchschnitte, die um einen bestimmten Faktor, meist eine bestimmte Prozentzahl des Basiswertes, nach oben und unten von einer Mittellinie verschoben werden. Sie folgen dem Kursverlauf und markieren durch ihre oberen und unteren Begrenzungslinien Unterstützungs- und Widerstandslevels, deren Bruch als Handelssignal verwendet werden kann. Um im Kontext des TASC Artikels zu bleiben und die witzige Titulierung zu übernehmen, möchte ich unter dem Titel:

„Chaikins Innovation“
Hier sind die fast unbekannten Bomar – Bands zu nennen. M. CHAIKIN, Mitarbeiter von Bomar Securities, entwickelte diese Bänder unter der Maßgabe, dass die Bandbreite nicht mehr willkürlich oder zufällig gewählt wird, sondern sich an den vorherrschenden Marktbedingungen orientiert. Seine Bänder erfüllten zum Teil diese Bedingungen. Da ich kein brauchbares Quellenmaterial gefunden habe, und BOLLINGERs Aussagen zu diesen Bändern für eine genaue Beschreibung nicht reichen, will ich es bei der Namensnennung belassen.

„Bollingers Brainstorm“
BOLLINGER, der sich bereits in den 70er Jahren mit dem Handel von Optionen und Optionsscheinen beschäftigte, suchte nach einer Möglichkeit, Preistrends und Volatilität in einem Indikator zu vereinen. Er experimentierte mit einigen Methoden, bis er sich für die Verwendung der Standardabweichung als statistisches Maß für die Verteilung von Daten entschied.
Berechnung und Parameter: Bei der Standardabweichung handelt es sich um ein statistisches Maß, das die Verteilung von Daten um ihren Mittelpunkt herum beschreibt. Die Größe der Standardabweichung ist somit eine direkte Beschreibung der Volatilität im Markt. Schwankt unser Basiswert nur geringfügig um seinen Mittelwert, ist die Standardabweichung klein, schwankt er sehr stark ist auch die Standardabweichung groß. Um eine möglichst große Menge an Daten mit der Standardabweichung beschreiben zu können, wird diese meist mit einem Faktor multipliziert. BOLLINGER verwendet hier den Faktor zwei, weist aber darauf hin, dass die Werte für den Faktor individuell eingestellt werden können. Die einfache Standardabweichung beschreibt ca. 70 Prozent der vorliegenden Daten, das heißt, dass im Bereich von minus einer Standardabweichung bis plus einer Standardabweichung entfernt vom Mittelwert 70 Prozent der Kurse liegen werden. Mit einem Faktor von zwei erreichen wir immerhin, dass 95 Prozent der Kurse beschrieben werden können, was uns ausreichen sollte. Die Standardabweichung reagiert sehr schnell und sensibel auf Veränderungen in der Datenbasis, also auch sehr gut auf Richtungsänderungen oder Volatilitätsschwankungen unserer Kurse.
Mit der Standardabweichung hat BOLLINGER die Volatilitätskomponente also festgelegt, für die Trendkomponente, die den Mittelwert für die Standardabweichung definieren soll, wählte er einen einfachen gleitenden Durchschnitt. Somit bilden sich die Bollinger-Bänder wie folgt:

- Konstruktion eines gleitenden Durchschnitts als Mittellinie.
- Standardabweichung berechnen und mit Faktor multiplizieren.
- Ergebnis oberhalb und unterhalb der Mittellinie abtragen.

Wir erhalten also drei Linien, innerhalb derer sich die Kurse bewegen. Wie schon beschrieben, wählte BOLLINGER für die Mittellinie einen einfachen arithmetischen Durchschnitt aus, was uns nicht hindert, auch andere Methoden zu testen. Darauf werde ich am Ende des Artikels eingehen und einen Tradesignal Enterprise Indikator dazu vorstellen. Zunächst bleiben wir bei den „Original“ Bollinger-Bändern, wie sie sowohl im Standardpaket von Tradesignal Express als auch im Tradesignal Enterprise enthalten sind.

Welche Kurse werden für die Berechnung der Bänder verwendet?
BOLLINGER beschränkt sich bei seinen detaillierten Ausführungen auf die Schlusskurse, um eine allgemeine Verwendbarkeit zu gewährleisten. Er empfiehlt aber auch den „typischen Kurs“ und den „gewichteten Schlusskurs“ zu verwenden. Diese errechnen sich wie folgt:

Typicale Price:

TP(t) = (High(t) + Low(t) + Close(t)) / 3

Weighted Close:

WTC(t) = (High(t) + Low(t) + (g*Close(t))) / 2 + g

g= Gewichtungsfaktor (in der Regel = 2)

Beide Varianten sollen ein besseres Abbild des Tagesgeschehens liefern, das somit in einem einzigen Kurs reflektiert wird.

Das mittlere Band ist ein gleitender Durchschnitt der Schlusskurse:

Avg(t) = Sum(n)(Close) / n
n = Berechnungsperiode des Durchschnittes

Standardabweichung s:


n = Berechnungsperiode der Standardabweichung

Das obere Band wird im Abstand von zwei Standardabweichungen über dem mittleren Band abgetragen:

UpperBand(t) = Avg(t) + 2 * s

Das untere Band wird im Abstand von zwei Standardabweichungen unter dem mittleren Band abgetragen:

LowerBand(t) = Avg(t) – 2 * s

Fast in allen Tradingapplikationen werden die Bollinger - Bänder auf einen 20 Perioden SMA aufgebaut. Der Faktor für die Standardabweichung ist in der Regel zwei. Beide Parameter sind jedoch frei konfigurierbar. Bollinger selbst empfiehlt die Parametereinstellung für die Mittellinien an den Chartverlauf anzupassen. Der gleitende Durchschnitt sollte den Chartverlauf gut wiedergeben. BOLLINGER schildert im Detail die Anpassung des GD’s an eine Bodenformation. Nach einem ersten Up Move von einer Bodenformation sollte der GD für die Korrektur dieses Moves als Unterstützung gelten. Wird er durchbrochen, ist die Periode zu kurz gewählt, endet die Korrektur weit entfernt vom GD, ist die Periode zu lang gewählt. Gleiche Vorgehensweise gilt auch für eine Topformation.
Generell kann gesagt werden, dass die Bänder so eng wie möglich an den Kursen liegen sollen, ohne jedoch zu oft durchbrochen zu werden. Die Mittellinie sollte viel öfter eine Unterstützungslinie sein, als dass sie durchbrochen wird.

Drei Standardeinstellungen sind in der Literatur zu finden:
10 Perioden MA + 1.5 Standardabweichungen
20 Perioden MA + 2 Standardabweichungen
50 Perioden MA + 2.5 Standardabweichungen

Darstellungsvarianten: Die Standard Bollinger – Bänder sind sowohl in Tradesignal Enterprise, als auch in Tradesignal Express enthalten. Für Tradesignal Enterprise habe ich eine erweiterte Version anzubieten.
Die Standardversion der Bänder wird auf einem einfachen arithmetischen Durchschnitt aufgebaut. Meine geänderte Version stellt Ihnen neun Methoden für die Durchschnittsberechnung zur Verfügung. Außerdem besteht die Möglichkeit, die Original-Bänder mit den erweiterten zu überlagern, um die Veränderungen bewerten zu können. J. BOLLINGER hat zu den Bändern noch zwei weitere Indikatoren vorgestellt, den Bandbreite - Indikator, und einen Oszillator, der die Lage der Kurse relativ zu den Bändern abbildet. Zu diesen beiden Indikatoren können Sie in den entsprechenden Beiträgen Informationen finden.
Die Berechnung dieser beiden Indikatoren ist bereits im erweiterten Tradesignal Enterprise Indikator enthalten. Da sich die Werteskala jedoch stark von der Kursskala unterscheidet, können sie nicht im Hauptchartfenster dargestellt werden. Hierzu dient ein eigenes Anzeigemodul Namens Power Oszillator. Abb.1 zeigt die erweiterten Bollinger – Bänder und den daraus berechneten Oszillator.

ArbBer.1 enthält alle benötigten Programme. Möchten Sie näheres über von mir verwendete Equilla - Programme und Funktionen wissen, lesen Sie bitte die Artikel im Bereich Equilla des Know – How – Bereiches der Seite www.de.tradesignal.com.

Interpretation: „Tradingbänder liefern keine konkreten Handelssignale, sondern ein Rahmenwerk, in dem unsere Entscheidungen verankert werden müssen!!!“ Schreibt zumindest JOHN BOLLINGER.

In Abb.2 sehen Sie die Original – Bollinger – Bänder.

In trendlosen Phasen bilden die Bollinger - Bänder Unterstützungs- und Widerstandslevels. Erreicht der Kurs eines der Bänder, kann davon ausgegangen werden, dass er sich zurück zum entgegenliegenden Band bewegt. Jetzt sind die Bänder nützlich für die Kurszielbestimmung.
Treten Breakouts auf, sind diese als Extremereignisse zu werten, die schnell korrigiert werden. In Abb.3 habe ich einen Bereich im Dax - Tageschart markiert, indem die Bänder als Unterstützungs- und Widerstandszonen fungieren. Wie ein Gummiball springt der Kurs zwischen ihnen umher.

In trendstarken Phasen können die Kurse die Bänder durchbrechen und/oder sehr lange an ihnen entlang laufen. Um diese Phasen von den trendlosen Phasen zu unterscheiden, ist es notwendig, andere Indikatoren zur Hilfe zu nehmen. Abb.4 zeigt markierte Kursausbrüche.

Es werden von BOLLINGER der RSI, der MACD und das OBV empfohlen um die Kursausbrüche als trendbestätigend oder trendkehrend zu bewerten. Erreicht der Kurs eines der Bänder oder durchbricht er es sogar, hilft der zusätzliche Indikator, das Ereignis zu bewerten. Bilden sich Divergenzen zwischen Kursverlauf und Indikator heraus, kann ein Trendwechsel erwartet werden. Bestätigt der Indikator jedoch die Bewegung, kann von einem startenden Trend ausgegangen werden, was zur Folge hat, dass die Kurse weiter in die Richtung laufen werden, die sie eingeschlagen haben. In diesem Falle fungiert die Mittellinie der Bollinger-Bänder oft als Unterstützungslevel für Korrekturbewegungen.
Abb.5 zeigt den Übergang einer schmalen Range in einen starken Trend. Während am Anfang die Kurse noch zwischen beiden Bändern pendeln, wird die Mittellinie zusehends zum Widerstand bei aufwärtsgerichteten Bewegungen. Der Kurs durchbricht mehrfach in dieser Zeit das untere Band, korrigiert bis zur Mittellinie und fällt dann weiter. Am Ausweiten der Bänder und dem starken Anstieg des ADX – Indikators, der die Trendstärke misst, ist schließlich die Kraft des Abwärtstrends zu erkennen.

Abb.6 zeigt gleichen Vorgang im Aufwärtstrend. Nach einer stärkeren Korrektur nach unten läuft der Kurs ans obere Band, prallt ab, fällt zur Mittellinie und startet von dort eine neue Trendbewegung. Auch hier ist zu sehen, dass der Kurs mehrfach das obere Band durchbricht und etwas zurückfällt. Während der markierten Bewegung fungiert der Bereich um die Mittellinie als Unterstützungszone.

Mit Hilfe der Bollinger - Bänder können Top- und Bodenformationen bewertet werden. Bildet sich der erste Schenkel einer Bodenformation außerhalb des unteren Bollinger - Bandes und der folgende Schenkel innerhalb, ist das ein Buy - Setup. Abb.7 zeigt ein Beispiel.

Bildet sich der erste Schenkel einer Topformation außerhalb des oberen Bollinger - Bandes und der folgende zweite Schenkel innerhalb der Bänder, ist dies ein Sell - Setup. Abb.8 zeigt ein Beispiel. Die Lage der beiden Extrempunkte zueinander ist dabei nicht entscheidend.

Der dritte wichtige Aspekt bei der Interpretation der Bollinger - Bänder ist die Bandbreite.
Hier müssen wir wieder zwischen trendlosen und trendstarken Phasen unterscheiden. In trendlosen Phasen zeigen schmale Bänder geringe Marktaktivität, also Volatilität, an. Je länger dieser Zustand anhält umso größer wird die Wahrscheinlichkeit einer bevorstehenden starken Kursbewegung. Die Bänder sind nicht in der Lage, Anhaltspunkte für die Richtung der Kursbewegung zu liefern. Hierzu müssen andere Mittel der technischen Analyse zur Hilfe genommen werden.
Breite Bänder zeigen Phasen starker Schwankungen an, wie sie am Beginn von Konsolidierungszonen oft vorkommen. In Trendmärkten kann die Bandbreite ebenfalls gering sein, wenn die Kurse sich längere Zeit gleichmäßig in eine Richtung bewegen. Abb.9 zeigt einen Bereich extremer Volatilität, die Bänder haben sich stark geweitet.

Abb.10 zeigt einen Bereich mit niedriger Volatilität, die Bänder sind sehr schmal. Es ist schön zu erkennen, wie mit Beginn der Abwärtskorrektur die Bandbreite stark ansteigt.

Kurz gefasst:

- Die Kurse laufen von einem Band zum anderen, dadurch wird eine Kurszielberechnung ermöglicht.
- Liegt kein Trend vor, sind die Bänder als Widerstands- und Unterstützungszonen anzusehen, Ausbrüche sind als Wendemarken zu werten.
- Liegt eine bestätigte Trendwende vor und wird eines der Bänder erreicht, kann von einer Trendfortsetzung ausgegangen werden; Ausbrüche sind dann als trendbestätigend zu werten.
- In Trendmärkten bewegen sich die Kurse längere Zeit an einem der Bänder entlang, die Mittellinie fungiert dann als Unterstützungs- oder Widerstandslinie.
- Die Bandbreite liefert ein Maß für die Schwankungsbreite der Kurse.
- Schmale Bänder geben Hinweise auf bevorstehende starke Kursbewegungen, aber keinen Hinweis auf die Richtung der Bewegung
- Schmale Bänder in trendstarken Märkten können diese Aussage nicht treffen.

Kritische Würdigung: Die Bollinger – Bänder sind ein tolles Hilfsmittel. Aber allein betrachtet bieten sie viel Interpretationsspielraum. Es ist deshalb notwendig, andere technische Hilfsmittel und Analyseverfahren einzusetzen, um Signale zu erzeugen.

Wichtiger Hinweis: Im Forum www.de.Tradesignal.com existiert ein wunderbarer Thread, der sich mit dem Handel der Bollinger – Bänder beschäftig. Zu finden ist mit Hilfe der Suchfunktion unter dem Namen „Bollinger – Bands“.

Quellen:
John J. MURPHY, „Technische Analyse der Finanzmärkte“
Jack D. SCHWAGER, „Schwager on Futures“
Stuart EVENS, “Bollinger Bands” TAS&C V.17
John BOLLINGER, “Using Bollinger Bands” TAS&C V.10
www.stockcharts.com

Equilla Skript "Hier finden Sie den Equilla-Code der Bollinger Bands"

Equilla Skript "..und hier den Equilla-Code der entsprechenden Funktion"

Equilla Skript "Hier finden Sie den Equilla-Code des erweiterten Indikators"

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