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14.11.2017 09:09, Dow Jones

Deutsche Wirtschaft im dritten Quartal überraschend stark

--BIP-Wachstum übertrifft Prognose deutlich

--Daten für erstes Quartal nach oben revidiert

--Daten für erstes Quartal nach oben revidiert

--Außenhandel und Investitionen tragen Wachstum

--Anhebungswelle bei BIP-Prognosen erwartet

(NEU: Kommentare von Ökonomen)

Von Andreas Plecko

FRANKFURT (Dow Jones)--Die deutsche Wirtschaft ist im dritten Quartal 2017 kräftig gewachsen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte preis-, saison- und kalenderbereinigt um 0,8 Prozent zu, wie das Statistische Bundesamt (Destatis) in einer ersten Meldung berichtete. Das Wachstum übertraf die Prognosen deutlich: Von Dow Jones Newswires befragte Ökonomen hatten im Konsens nur einen Zuwachs um 0,6 Prozent erwartet.

In der ersten Jahreshälfte 2017 ist das BIP ebenfalls deutlich gestiegen, und zwar um 0,6 Prozent im zweiten und 0,9 Prozent im ersten Quartal. Bislang war für das erste Quartal nur ein Zuwachs von 0,7 Prozent gemeldet worden. Im Vergleich zum Vorjahr betrug das Wachstum im dritten Quartal kalenderbereinigt 2,8 Prozent. Die befragten Ökonomen hatten nur ein Plus von 2,3 Prozent vorhergesagt.

Positive Impulse kamen im Quartalsvergleich unter anderem vom Außenhandel, wie die Statistiker mitteilten. Die Exporte legten stärker zu als die Importe. Dadurch hatte der Außenbeitrag im Quartalsvergleich rein rechnerisch einen positiven Effekt auf das BIP. Während die staatlichen und privaten Konsumausgaben in etwa auf dem Niveau des Vorquartals lagen, trugen die Bruttoanlageinvestitionen positiv zum Wirtschaftswachstum bei. Insbesondere in Ausrüstungen wurde mehr investiert als ein Quartal zuvor.

 
Aufschwung im XXL-Format 
 

"Der XXL-Aufschwung geht ohne Zucken weiter", meint Alexander Krüger, Chefvolkswirt des Bankhauses Lampe. "Allerdings dürften sich in den nächsten Monaten Kapazitätsengpässe zeigen. Ich glaube nicht, dass wir den Schwung so halten können." Bei den BIP-Prognosen für das Gesamtjahr dürfte es jetzt zu einer "Anhebungswelle" kommen, für das gesamte Jahr zeichne sich eine Wachstumsrate von 2,2 Prozent ab. Derzeit prognostizieren die meisten Institute noch Zuwachsraten von höchstens 2 Prozent, viele auch darunter.

"Deutschland im Boom!" überschrieb Uwe Burkert, Chefvolkswirt und Leiter der LBBW-Research seinen Kommentar. "Wir wussten, dass es im dritten Quartal gut gelaufen ist für die deutsche Wirtschaft, aber die Zahl hat uns doch positiv überrascht. Die hohe Dynamik wird sich wohl auch im Winter fortsetzen, dank der guten Konsumentenstimmung erwarten wir ein tolles Weihnachtsgeschäft."

Die Wirtschaftsleistung im dritten Quartal wurde von 44,5 Millionen Erwerbstätigen im Inland erbracht, das waren 668.000 Personen oder 1,5 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

"Die deutsche Wirtschaft setzt ihren goldenen Zyklus fort", urteilt ING-Bank-Chefökonom Carsten Brzeski. "Selbst wenn die Wirtschaft im vierten Quartal stagnieren würde, ergäbe sich für das Gesamtjahr ein Wachstum von 2,4 Prozent, die höchste Wachstumsrate seit dem Jahr 2011." Es gebe kaum Anzeichen, dass der Aufschwung plötzlich einbrechen könnte. Die niedrigen Zinsen dürften weiter den Bausektor, den Privatkonsum und die Investitionen stützen.

 
Fehlentwicklungen unter der Oberfläche 
 

Etwas skeptischer blickt Jörg Krämer, Chefökonom der Commerzbank, auf die fulminanten Daten: "Die Stärke des Aufschwungs zeigt sich auch daran, dass sich bei den Ausrüstungsinvestitionen ein zweiter Frühling abzeichnet, obwohl die Gewinnmargen zuletzt gefallen sind. Die deutsche Wirtschaft dürfte noch zwei, drei Jahre stark wachsen, auch wenn es unter der Oberfläche zunehmend zu Fehlentwicklungen kommt."

Solche Fehlentwicklungen erkennt Krämer etwa bei den Hypothekenschulden, die aber im Vergleich zu den verfügbaren Einkommen noch nicht so hoch seien, dass von einer Blase am deutschen Immobilienmarkt gesprochen werden könne. Die EZB dürfte aus Rücksicht auf die hoch verschuldeten Südländer noch lange an ihrer lockeren Geldpolitik festhalten. Das schrittweise Zurückrollen der Agenda-Reformen und die Erosion der preislichen Wettbewerbsfähigkeit wirkten sich erfahrungsgemäß erst nach vielen Jahren negativ aus.

Kontakt zum Autor: konjunktur.de@dowjones.com

DJG/apo/bam

(END) Dow Jones Newswires

November 14, 2017 03:09 ET (08:09 GMT)