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20.04.2017 12:15, Dow Jones

Commerzbank/Krämer: Anstieg der Frühindikatoren keine Erwartungsblase

Von Hans Bentzien

FRANKFURT (Dow Jones)--Der jüngste Anstieg der Frühindikatoren in Deutschland und Europa wird sich nach Einschätzung von Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer nicht als Erwartungsblase erweisen. Bei der Vorstellung aktueller Konjunkturprognosen sagte Krämer jedoch, dass er mit einem "Abbröckeln" dieser Indikatoren ab der zweiten Jahreshälfte rechne, weil sich dann die chinesische Konjunktur wieder eintrüben dürfte. Ein Ende der Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) sieht er nicht so bald kommen.

FRANKFURT (Dow Jones)--Der jüngste Anstieg der Frühindikatoren in Deutschland und Europa wird sich nach Einschätzung von Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer nicht als Erwartungsblase erweisen. Bei der Vorstellung aktueller Konjunkturprognosen sagte Krämer jedoch, dass er mit einem "Abbröckeln" dieser Indikatoren ab der zweiten Jahreshälfte rechne, weil sich dann die chinesische Konjunktur wieder eintrüben dürfte. Ein Ende der Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) sieht er nicht so bald kommen.

"Wenn Sie die Einkaufsmanagerindizes mit der Industrieproduktion vergleichen, sehen Sie zwar ein außergewöhnlich großes Gap, aber Erwartungsblasen sind in der Wirtschaftsgeschichte äußerst selten", sagte Krämer. Sich gegen Frühindikatoren zu stellen, sei "prognostisch sehr riskant".

 
Eurozone-Einkaufsmanagerindex steigt im ersten Quartal um 3,2 Prozent 
 

Die aggregierten Einkaufsmanagerindizes Deutschlands und der Eurozone sind im ersten Quartal um 1,6 beziehungsweise 3,2 Prozent gestiegen. Die Commerzbank rechnet damit, dass das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) im ersten Quartal um 0,7 Prozent gestiegen ist und erwartet für das gesamte Jahr 2017 ein Wachstum von 1,6 Prozent.

Das Euroraum-BIP ist ihrer Einschätzung nach im ersten Jahresviertel um 0,5 Prozent gestiegen. "Auf Basis des Index des Wirtschaftsstimmungsindex ESI könnten wir auch eine 0,7 Prozent hinschreiben, aber so optimistisch sind wir denn doch nicht", sagte Krämer. Für Jahr 2017 erwartet die Commerzbank 1,8 Prozent Wachstum.

Die guten Wachstumsaussichten beruhen Krämer zufolge einerseits auf der EZB-Geldpolitik, die die Kreditvergabe in Gang gebracht habe. "Die Milliarden der EZB landen teilweise in der Realwirtschaft, auch ich als EZB-Kritiker muss das anerkennen", sagte Krämer.

 
Eintrübung chinesischer Konjunktur könnte PMIs bröckeln lassen 
 

Ein weiterer Faktor seien die weltweit aufgehellten Konjunkturaussichten, die allerdings im wesentlichen auf einer "Scheinblüte" Chinas beruhten, ausgelöst durch staatliche Investitionen und die Spätfolgen des Immobilienbooms. "In der zweiten Hälfte des Jahres sollten die unterliegenden Probleme wieder sichtbarer werden, und dann dürften auch die europäischen Einkaufsmanagerindizes von ihren Hochs herunterkommen", prognostizierte Krämer.

Trotz der guten Wachstumsaussichten - für 2018 prognostiziert die Commerzbank einen Anstieg des Eurozone-BIP von 1,6 Prozent - hält Krämer ein Ende der EZB-Nullzinspolitik für wenig wahrscheinlich. Zwar dürfte die EZB von einer zunehmenden Knappheit gezwungen werden, ihre Anleihekäufe 2018 erst zu verringern und dann einzustellen, doch dürften die Zinsen danach noch längere Zeit niedrig bleiben.

 
EZB dürfte Forward Guidance und Risikoeinschätzung unverändert lassen 
 

Für die EZB-Ratssitzung in der nächsten Woche erwartet Krämer keine Änderung der Forward Guidance und auch keine optimistischere Einschätzung der Wachstumsrisiken, wie sie die EZB-Direktoren Benoit Coeure und Peter Praet am Mittwoch angedeutet hatten. "Aus prognostischer Sicht wäre eine Streichung der Dominanz der Abwärtsrisiken sicher ebenso vertretbar wie die Zusage, notfalls die Zinsen noch einmal zu senken, aber das wird die EZB aus taktischen Gründen nicht tun", prognostizierte Krämer.

Kontakt zum Autor: hans.bentzien@dowjones.com

DJG/hab/apo

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April 20, 2017 06:15 ET (10:15 GMT)