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20.03.2017 07:00, Dow Jones

KONJUNKTUR IM BLICK/Europäische Indikatoren senden Wachstumssignale

Von Hans Bentzien

FRANKFURT (Dow Jones)--Die in dieser Woche zur Veröffentlichung anstehenden Frühindikatoren dürften weiterhin ein kräftiges Wirtschaftswachstum für den Euroraum andeuten. Volkswirte erwarten nach dem überraschend starken Anstieg der Einkaufsmanagerindizes im Februar für März einen kleinen Rückgang, aber das ändert nichts am großen Bild: Die Stimmungsindikatoren sind so hoch, dass die Wirtschaft eigentlich deutlich stärker wachsen müsste als sie das zuletzt getan hat.

FRANKFURT (Dow Jones)--Die in dieser Woche zur Veröffentlichung anstehenden Frühindikatoren dürften weiterhin ein kräftiges Wirtschaftswachstum für den Euroraum andeuten. Volkswirte erwarten nach dem überraschend starken Anstieg der Einkaufsmanagerindizes im Februar für März einen kleinen Rückgang, aber das ändert nichts am großen Bild: Die Stimmungsindikatoren sind so hoch, dass die Wirtschaft eigentlich deutlich stärker wachsen müsste als sie das zuletzt getan hat.

Neben den Einkaufsmanagerindizes, dem belgischen Geschäftsklimaindex und dem europäischen Verbrauchervertrauen bringt die Woche außerdem das letzte langfristige Refinanzierungsgeschäft der TLTRO2-Serien der Europäischen Zentralbank (EZB) und eine Rede von Fed-Chefin Janet Yellen.

 
Einkaufsmanagerindizes sinken im März nur leicht 
 

Der von IHS Markit erhobene aggregierte Einkaufsmanagerindex der Euroraum-Privatwirtschaft ist im Februar auf ein Siebzigmonatshoch von 56,0 Punkten gestiegen, was gleichermaßen an der Entwicklung im verarbeitenden und nicht-verarbeitenden Sektor lag. Manche Volkswirte hoben nach Veröffentlichung und Bestätigung dieser Zahl in zweiter Veröffentlichung ihre Prognosen für das Wirtschaftswachstum im ersten Quartal 2017 an.

Andere trauten dem Frieden nicht so recht, denn ein solcher Anstieg war vor dem Hintergrund der Entwicklung harter Konjunkturdaten und wegen der globalen Unsicherheiten nicht erwartet worden. Vielleicht war der Februar-Anstieg ja nur ein Ausrutscher? Sollten die Einkaufsmanagerindizes im März wie erwartet nur leicht sinken, würde das die Sichtweise der Wachstumsoptimisten stützen.

 
Belgisches Geschäftsklima hellt sich auf 
 

Die Einkaufsmanagerindizes (PMIs) der Eurozone werden am Freitag um 10.00 Uhr veröffentlicht. Die deutschen PMIs kommen um 9.30 Uhr, die französischen um 9.00 Uhr. Bereits am Donnerstag um 15.00 Uhr veröffentlicht die Belgische Nationalbank ihren Geschäftsklimaindex, für den ein leichter Anstieg erwartet wird. Dieser Indikator ist von Interesse, weil Belgiens Volkswirtschaft besonders eng mit den anderen europäischen Volkswirtschaften verzahnt ist und Hinweise auf den am Montag nächster Woche anstehenden Ifo-Index geben könnte.

Um 16.00 Uhr veröffentlicht die EU-Kommission ihren Index des Verbrauchervertrauens, der ein Bestandteil des Index der Wirtschaftsstimmung ist, der in der Folgewoche zur Veröffentlichung ansteht.

 
Hohe Nachfrage nach letztem TLTRO2 erwartet 
 

Die EZB begibt am Mittwoch ihr letztes langfristige zielgerichtetes Refinanzierungsgeschäft der zweiten Serie (TLTRO2). Analysten erwarten eine hohe Nachfrage, denn dieses Geschäft ermöglicht es den Banken letztmals, sich die gegenwärtig sehr attraktiven Finanzierungsbedingungen bis ins Frühjahr 2021 zu sichern. Zur Erinnerung: Banken können Kredite ohne Zweckbindung zum Nullzins aufnehmen. Nutzen sie diese ihrerseits zur Vergabe von Krediten (außer Hypothekenkrediten), erhalten sie Zinsen, anstatt welche zu zahlen.

Luca Cazzulani, Anleiheanalyst bei Unicredit, rechnet mit einer Bruttonachfrage von 200 Milliarden Euro. Brutto heißt, dass Banken Kredite aus früheren TLTROs ablösen könnten, wodurch das Nettovolumen geringer wäre. Die EZB wird das Tenderergebnis am Donnerstag um 11.30 Uhr veröffentlichen.

 
Eurogruppe berät über Griechenland 
 

Nachdem sich die Finanzminister und Notenbankgouverneure der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) nach ihrem Beratungen in Baden-Baden wieder in alle Welt zerstreut haben, kommen am Montag die Finanzminister des Euroraums zusammen, um ein europäisches Dauerthema zu besprechen: Das Hilfsprogramm für Griechenland. Bei den Beratungen geht es darum, die Fortschritte der Griechen bei der Abarbeitung der Reformauflagen zu besprechen.

Griechenland muss im Juni Anleiheschulden in Milliardenhöhe tilgen, was ohne frisches Geld der europäischen Partner nicht gelingen dürfte. Offen ist weiterhin, ob der Internationale Währungsfonds (IWF) für dieses Programm Geld geben wird, da er Griechenland gegenwärtig für überschuldet hält. IWF-Chefin Christine Lagarde hat an den G20-Beratungen in Baden-Baden teilgenommen.

 
Populismus- und Schulz-Test im Saarland 
 

Im Saarland findet am Sonntag die erste von mehreren deutschen Landtagswahlen in diesem Jahr statt. Sie wird als ein Test dafür gesehen, wie viele Wählerstimmen populistische Parteien in Deutschland gewinnen können. Aktuelle Umfragen sehen die AfD im Saarland hinter der Linken auf Platz vier, bei 7 Prozent der Stimmen. Von Interesse wird zudem sein, wie gut die SPD nach der Nominierung des neuen Kanzlerkandidaten Martin Schulz abschneidet. In aktuellen Umfragen liegt die CDU im Saarland deutlich vorn.

Kontakt zum Autor: hans.bentzien@dowjones.com

DJG/hab/apo

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March 20, 2017 02:00 ET (06:00 GMT)