Diese Webseite verwendet Cookies, um ihre Dienste bereitzustellen, Anzeigen zu personalisieren und Zugriffe zu analysieren. Durch die Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich damit einverstanden, dass sie Cookies verwendet.
WisdomTree Strong Dollar U.S. Equity Fund
19.03.2017 14:25, Dow Jones

US-Finanzminister Mnuchin wehrt Forderungen nach Protektionismus-Klausel ab

Von Ian Talley und Tom Fairless

BADEN-BADEN (Dow Jones)--US-Finanzminister Steven Mnuchin hat seine Kollegen auf dem G20-Treffen mit der Forderung nach einem klarem Bekenntnis gegen den Protektionismus abblitzen lassen. Damit verstärken sich die Sorgen, dass die Kampagne "America First" der Regierung von US-Präsident Donald Trump die internationalen Handelsbeziehungen belasten könnte.

BADEN-BADEN (Dow Jones)--US-Finanzminister Steven Mnuchin hat seine Kollegen auf dem G20-Treffen mit der Forderung nach einem klarem Bekenntnis gegen den Protektionismus abblitzen lassen. Damit verstärken sich die Sorgen, dass die Kampagne "America First" der Regierung von US-Präsident Donald Trump die internationalen Handelsbeziehungen belasten könnte.

Statt in der Abschlusserklärung des G20-Treffens durch die Ausarbeitung eines Kompromiss diese Sorgen zu mildern, zeigten sich die Finanzminister und Notenbankchefs der zwanzig führenden Industriestaaten am Ende ihres zweitägigen Treffens ohne eine gemeinsame Lösung. Das genau formulierte Abschlussstatement überdeckte dabei die bestehenden unterschiedlichen Auffassungen hinsichtlich Wachstumsförderung, der Vermeidung von Differenzen in der Währungspolitik und den Sorgen in Bezug auf das globale Witschaftswachstum.

"Es war wirklich nicht das beste Kommunique was die G20 jemals ausgearbeitet hat", sagte der Wirtschafts- und Währungskommissar der EU, Pierre Moscovici in einem Interview. Die endgültige Abschlusserklärung am Samstag ersetzte das Kommunique vom letzten G20-Treffen im chinesischen Chengdu im vergangenen Juli, in dem von einem Bekenntnis "gegen alle Formen des Protektionismus" die Rede war. Die meisten Teilnehmer des Treffens in Baden-Baden drängten den US-Finanzminister dazu, diese Formulierung beizubehalten, hieß es von einem Teilnehmer. Auf einer Pressekonferenz merkte Mnuchin an, die Formulierung zum Protektionismus "war nicht notwendig von meinem Standpunkt aus".

 
Keine genaueren Hinweise auf US-Handelspolitik 
 

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hatte darauf gehofft, dass sein US-Amtskollege eine Vision der künftigen Handelspolitik der USA aufzeigen würde, die die überwiegend aggressiven Aussagen von Trump und anderen Offiziellen des Weißen Hauses, inklusive den Hinweisen auf mögliche Sanktionen und einseitige Strafzölle gegenüber Handelspartnern, relativieren. Doch im Verlaufe des Treffens gerieten die Finanzminister immer mehr in eine Sackgasse. Wie Schäuble anmerkte, hatte Mnuchin kein Mandat, um neue Handelsbekenntnisse abzugeben.

Mit dem Scheitern eines Konsens für ein neues Kommunique, welches Protektionismus in allen Formen ausschließt, verließen viele Teilnehmer mit der Unsicherheit das Treffen, in welche Richtung sich die Handelspolitik der neuen US-Regierung bewegen wird. "Die USA ist sehr, sehr unfair von vielen Ländern in den vergangenen Jahren behandelt worden", hatte Trump am Freitag im Vorfeld des Treffens mit Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärt. "Das muss aufhören". Trotz des Drucks gegenüber Mnuchin von Seiten der anderen G20-Teilnehmer zeigte Washington, dass es weiterhin einen starken Einfluss als Konsumnation hat.

Moscovici, ehemaliger Finanzminister Frankreichs, beschrieb Mnuchin als einen Mann, "der einen konstruktiven Dialog sucht" und der nach Europa gekommen sei, "um zuzuhören". Laut Moscovici verlief das Treffen nicht "konfrontativ". Zudem habe man versucht, "sich mit der neuen US-Regierung zu identifizieren". Jedoch bedauerte auch er das Fehlen einer klaren Aussage für den Kampf gegen Protektionismus und versprach, dass die EU sich gegen alle Maßnahmen, die sich gegen offene und funktionierende Märkte richten würden, zu Wehr setzen werde.

 
Schlechte Erfahrungen in Brasilien mit Protektionismus 
 

Der brasilianische Finanzminister Henrique Meirelles berichtete zudem von den Erfahrungen des südamerikanischen Landes mit Protektionismus. "Wir haben in den vergangenen Jahren in einigen Bereichen protektionistische Maßnahmen zugelassen und die Ergebnisse waren nicht positiv", sagte Meirelles in einem Interview. "Am Ende des Tages wurden die Produkte immer teurer und Brasilien weniger wettbewerbsfähig. Nun bewegen wir uns wieder in Richtung einer offeneren Handelspolitik", so der Finanzminister.

Die Investoren an den Finanzmärkten bleiben zudem weiterhin verunsichert in Bezug auf die Dollar-Politik der neuen US-Regierung. Auf die Frage, wem die Märkte hauptsächlich ihre Beachtung schenken sollten, sagte Mnuchin: "Sie sollten zuerst auf den Präsidenten hören und dann natürlich auch auf mich".

Kontakt zum Autor: maerkte.de@dowjones.com

DJG/DJN/ros

(END) Dow Jones Newswires

March 19, 2017 09:25 ET (13:25 GMT)