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Brent Crude - North Sea
16.02.2017 12:42, Dow Jones

HINTERGRUND/Weltwirtschaft verdankt ihren Aufschwung nicht allein Trump

Von Greg Ip

NEW YORK (Dow Jones)--Die Märkte leben nur allzu gerne ihren Trump-Optimismus aus. Dem neuen US-Präsidenten Donald Trump schreiben sie vielfach die Aktiengewinne und das bessere Geschäftsklima zugute. Doch der Konjunkturaufschwung spielt sich überall auf der Welt ab: in Europa, China und sogar dem dauerkriselnden Japan.

NEW YORK (Dow Jones)--Die Märkte leben nur allzu gerne ihren Trump-Optimismus aus. Dem neuen US-Präsidenten Donald Trump schreiben sie vielfach die Aktiengewinne und das bessere Geschäftsklima zugute. Doch der Konjunkturaufschwung spielt sich überall auf der Welt ab: in Europa, China und sogar dem dauerkriselnden Japan.

Das liegt zum Teil daran, dass viele Investoren darauf hoffen, Trump werde mit seiner Fiskalpolitik weltweit die Konjunktur ankurbeln. Doch in Wirklichkeit fallen gleich eine Reihe von Faktoren ins Gewicht. Die Ölpreise legen wieder zu. Im zweiten Halbjahr sprang zugleich die Wirtschaftsaktivität in China und Europa wieder an. Und ökonomisch gesehen ist der an Fahrt gewinnende Populismus bisher eine Fehlzündung.

 
Ölpreisanstieg zerstreut Deflationsängste 
 

Nur wenige Wochen nach Trumps Wahl verständigte sich die Opec auf Förderkürzungen, an die sich die Länder dann sogar hielten. Noch vor einem Jahr kostete das Fass Erdöl 30 US-Dollar. Derzeit ist es wieder mehr als 50 Dollar wert. Das hilft den USA, wo seit Juni die Zahl der Bohrtürme um 80 Prozent zulegte, so Baker Hughes. Aus dem Ölpreisanstieg ergeben sich neuerdings höhere Inflationserwartungen und zugleich beschleunigt sich die Industrieproduktion.

Das zeigt sich auch schon in den Daten. In den USA beläuft sich die Teuerung auf ein Niveau wie seit fünf Jahren nicht mehr. Üblicherweise wären das schlechte Nachrichten. Doch in der Ära nach der Finanzkrise, in der Ängste um eine verhärtete Deflation umgehen, wird der Inflationsdruck allgemein begrüßt. So rechnen die Anleihemärkte auf Sicht von fünf bis zehn Jahren für die USA mit 1,2 Prozent, den Euroraum 1,4 Prozent und Japan immerhin 0,1 Prozent Teuerung. Diese Ziffern erhöhten sich zuletzt um jeweils einen halben Prozentpunkt.

 
Noch vor einem Jahr war Weltwirtschaft im Krisenmodus 
 

Keine Frage: Global sieht es wieder besser aus. Vor einem Jahr ächzte China unter Kapitalabflüssen und der Yuan-Schwäche. Die Wirtschaftsaktivität schwächte sich markant ab. Daraufhin befeuerte Peking die Kreditvergabe und verschärfte die Kontrollen über Kapitalabflüsse, was sich jetzt in einer wieder anziehenden Geschäftstätigkeit widerspiegelt. Im laufen Quartal rechnet Evercore ISI nunmehr mit einem nominalen Wirtschaftswachstum von 11 Prozent gegenüber weniger als 7 Prozent vor einem Jahr. Auch in China hängt die Konjunktur eng mit dem Verlauf von Öl- und Industriepreisen zusammen.

Selbst in Europa zeigen sich Erholungszeichen. Europa sei bei dem realen Geschäftsvolumen und Überraschungsinflation sogar vor den USA, erläutert Direktor Jason Thomas von der Carlyle Group. Von 2009 bis 2014 sei die Wirtschaft allein dank der Exporte gewachsen. Dann erfolgte wegen der Rohstoffmisere ein Wechsel auf Binnennachfrage. Das wirkt zusammen mit anziehenden Aufträgen aus Schwellenländern besonders stimulierend.

 
Währungshüter müssen nicht mehr Notenpresse anwerfen 
 

So etwas spielt auch den Zentralbanken in die Karten, die sich weniger um mangelnde Teuerung und Wirtschaftswachstum Sorgen machen müssen. Insofern können sie auch auf noch niedrigere Zinsen oder zusätzliche Anleiheaufkäufe verzichten. Aus den USA heißt es von der Chefin der US-Notenbank Fed, dass in den kommenden Monaten mit weiteren Leitzinserhöhungen zu rechnen sei. Dadurch geht es auch den Geschäftsbanken besser, deren Zinsmargen zuletzt mitunter sogar ins Negative abrutschten. Da erweist sich dann auch der eng mit Trumps Aufstieg verbundene Populismus nicht als Spielverderber. Die Unternehmen investieren trotzdem und die Verbraucher kaufen ein.

Ob die Zuversicht anhält, bleibt ungewiss. In diesem Jahr könnte die Weltwirtschaft um 3,4 Prozent zulegen, rechnet JP Morgan vor. Noch schlägt auch die politische Unsicherheit keine Wunden. Mit einem Sieg des Front Nationale bei der Wahl in Frankreich könnte sich das aber schlagartig ändern. In China geht es vor allem dank einer Kreditblase aufwärts, die jederzeit platzen könnte. Zudem könnte der sprunghafte Trump immer schlechter in der Lage sein, seine Steuersenkungen durch den Kongress zu bekommen. Dagegen ist der einstige Geschäftsmann jederzeit dafür gut, geopolitische Schocks auszulösen. Doch für den Moment lässt es sich mit der heiß ersehnten Rückkehr zur Normalität prächtig leben.

Kontakt zum Autor: unternehmen.de@dowjones.com

DJG/DJN/axw/cbr

(END) Dow Jones Newswires

February 16, 2017 06:42 ET (11:42 GMT)