SINOPEC SHANGHAI H   YC 1REPSOL S.A. INH.     EO 1C TOTB 12/17BP PLC             DL-,25ROYAL DUTCH SHELL A EO-07ROYAL DUTCH SHELL B EO-07BP PLC ADR/6 DL -,25CHEVRON CORP.      DL-,75EXXON MOBIL CORP.REPSOL S.A. EO 1 ADR 1ROYAL DUTCH SHELL B ADR/2ROYAL DUTCH SHELL A ADR/2SINOPEC SHAN H YC1ADR/100TOTAL S.A.   SPONS. ADR 1
20.09.2014 15:09, Dow Jones

Die neue Strategie der Ölriesen: Abwarten

Von Christian Berthelsen und Cassie Werber

Große Ölfirmen haben eine neue Form der lukrativen Lagerhaltung entdeckt: Sie horten Millionen Barrel des Rohstoffs auf riesigen Ozeantankern. Besonders die chinesische Sinopec und die niederländische Vitol Group greifen zu dieser Strategie, berichten mehrere Insider. Tanker werden nicht mehr genutzt, um Öl aus den Förderländern zu einem Hafen zu transportieren, sondern sie bleiben auf Hoher See und dienen dort als mobile Lager.

Große Ölfirmen haben eine neue Form der lukrativen Lagerhaltung entdeckt: Sie horten Millionen Barrel des Rohstoffs auf riesigen Ozeantankern. Besonders die chinesische Sinopec und die niederländische Vitol Group greifen zu dieser Strategie, berichten mehrere Insider. Tanker werden nicht mehr genutzt, um Öl aus den Förderländern zu einem Hafen zu transportieren, sondern sie bleiben auf Hoher See und dienen dort als mobile Lager.

Der Grund für die Strategie: Zurzeit ist kurzfristig lieferbares Öl billiger als Futures-Geschäfte, also Wetten darauf, wo der Rohstoff in den kommenden Monaten steht. Sonst sind die Kurzfristpreise, die so genannten Spot-Preise, fast immer niedriger. Die Händler ergreifen die Gelegenheit, indem sie ihr Öl zurückhalten und über Futures vereinbaren, es in den nächsten Monaten zu verkaufen. So streichen sie einen satten Gewinn ein.

Die Tanker, die dabei helfen, wiegen bis zu 550.000 Tonnen und sind mehrere hundert Meter lang. Sie speichern das schwarze Gold, bis der Handel abgewickelt ist. Genau das Gleiche wird mit Öl in Lagern auf dem Festland gemacht, die sich rapide füllen.

Das im Zuge dieser Handelsstrategie gebundene Öl könnte inzwischen bis zu 50 Millionen Barrel, oder knapp 8.000 Millionen Liter, ausmachen, schätzen Händler und Analysten. Im April gab es so gut wie keine solcher Lagerbestände. Das auf diese Weise gebunkerte Öl reicht für die Nachfrage der gesamten US-Wirtschaft - zumindest zwei Tage lang.

Das vorerst letzte Mal, dass sich eine ähnlich kuriose Situation ergab, war im April 2009, als die Spot-Preise längerfristig unter den Futures-Preisen notierten. Damals wurden mehr als 70 Millionen Barrel Erdöl zu solchen Handelszwecken gelagert, so die Londoner Beratungsfirma Energy Aspects.

Der Höchststand von Lagerbeständen auf den Weltmeeren treibt mittlerweile auch viele Investoren um. Ihre Interpretation: Es gebe einen merklichen Angebotsüberhang und die bereits auf Zwei-Jahres-Tiefs notierenden Ölpreise dürften weiter fallen. Die niedrigen Preise "spiegeln angesichts schwacher Nachfrage das Überangebot auf dem Markt wider", meint Analystin Amrita Sen von Energy Aspects.

Mercuria ist einer der weltgrößten Rohstoff-Händler. Jüngst mietete er Tanker, um Öl zu Lagerstätten in Südafrika zu verschiffen, berichten Händler und Analysten. Das nach Umsatz drittgrößte Öl-Unternehmen der Welt, Sinopec, pachtete den 3,2 Millionen-Barrel-Supertanker TI Europe, der an der Ostküste Malaysias vor Anker lag. Das Kalkül: Die Chinesen wollen Erdöl horten und in den nächsten Tagen noch mehr davon in den Tanker pumpen. Mercuria und Sinopec waren auf Anfrage nicht zu erreichen.

Brent-Öl hat sich angesichts steigender Förderung der USA, Libyens, Iraks und Westafrikas in den vergangenen drei Monaten um rund 14 Prozent verbilligt. Allgemein wird damit gerechnet, dass das Angebot weiterhin die Nachfrage übertrifft.

Von den weit auseinanderliegenden Spot- und Futurepreise zu profitieren, könnte noch lange möglich sein, schätzt Manager Michel Salden vom Vermögensverwalter Harcourt in Zürich. "In diesem Umfeld ist es aber schwierig, auf eine genaue Richtung des Marktes zu setzen", warnt Salden. Manche Analysten meinen, das überschüssige Ölangebot spiegele sich bereits im aktuellen Brent-Ölpreis wider. Salden hat nach eigenen Angaben von seinen momentanen Positionen profitiert, schwieg sich zu Details jedoch aus.

Zwar ist die Kluft zwischen Spot- und Futurepreisen eine Chance für Trader, die Öl physisch handeln. Aber Geldmanager, die über passive Indexfonds in Rohstoffe investieren, kommen unter die Räder. Manager dieser Indexfonds lösen ihre Futures-Kontrakte meist auf, bevor sie fällig werden, um zu verhindern, dass sie den Rohstoff tatsächlich liefern müssen. Um ihre Positionen aufrechtzuerhalten, müssen sie dann bei einem teureren Kontrakt mit einer späteren Lieferzeit zugreifen.

"Wenn das so weitergeht, wird es die Gewinne erheblich nach unten ziehen", erwartet Fondsmanager Nicholas Johnson von der Allianz-Tochter Pimco. Der Fonds wettet auf Preisunterschiede zwischen Brent und der US-Rohöl. Beim US-Rohöl liegen die Futures- unter den Spotpreisen.

Das Geschäft mit dem Aufbau von Lagerbeständen ist nicht ohne Tücken. Wenn Zinssätze oder Lagerkosten rapide steigen, könnten die Kosten für solche Handelsgeschäfte erheblich nach oben schießen und die Erträge aus den Futures-Deals auffressen. Das Zeitfenster für solche Geschäfte könne sich auch bald wieder schließen, wenn die Nachfrage anzieht oder das Angebot nachlässt.

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September 20, 2014 09:09 ET (13:09 GMT)