01.02.2015 17:30, Dow Jones

WOCHENENDÜBERBLICK/31. Januar und 1. Februar 2015

Tsipras schlägt nach Troika-Eklat versöhnlichen Ton an

Nach der spektakulären Aufkündigung der Zusammenarbeit mit der Gläubiger-Troika hat der neue griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras versöhnliche Töne angeschlagen. Niemand wolle Streit, und es sei niemals die Absicht seiner Regierung gewesen, "einseitig auf Griechenlands Schulden zu reagieren", versicherte der Linkspolitiker in einer zunächst an die US-Nachrichtenagentur Bloomberg gerichteten Erklärung, die dann auch an andere Medien verbreitet wurde.

Ratsmitglied: EZB-Geld für Griechenland an Programm geknüpft

Die Europäische Zentralbank (EZB) wird ihre Geldvergabe an griechische Banken einstellen, sollte es kein Abkommen geben, wonach das Hilfsprogramm in Kraft bleibt. "Diese Uneinigkeit muss irgendwie gelöst werden, sonst haben wir nicht die Möglichkeit, weiter Kredite an griechische Banken zu geben", sagte EZB-Ratsmitglied Erkki Liikanen.

S&P: Griechische Banken leiden unter schwacher Liquidität

Mit der politischen Kehrtwende in Griechenland geraten die vier größten Banken des Landes unter Druck. Wegen großer Geldabflüsse und dem fehlenden Zugang zu den Kapitalmärkten habe sich die Liquiditätslage der Banken in den vergangenen Wochen beträchtlich verschlechtert, erklärte die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P). Das Urteil zur Liquiditätslage sei von "schwach" auf "sehr schwach" gesenkt worden.

Merkel: Griechenland muss Reform- und Sparkurs fortsetzen

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die neue griechische Regierung zu einer Fortsetzung der Reformpolitik aufgerufen. "Europa wird auch weiterhin Solidarität für Griechenland wie auch andere besonders von der Krise betroffenen Länder zeigen, wenn diese Länder eigene Reform- und Sparanstrengungen unternehmen", sagte Merkel dem Hamburger Abendblatt.

Schäuble lehnt Schuldenerlass für Griechenland ab

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat die griechische Regierung vor weiteren Diskussionen über einen Schuldenschnitt gewarnt. "Wenn ich ein verantwortlicher griechischer Politiker wäre, würde ich keine Debatten über einen Schuldenschnitt führen", sagte Schäuble in einem Interview mit der Zeitung Die Welt.

Unionspolitiker drohen Griechenland mit Hilfestopp

Nachdem Griechenland angekündigt hat, künftig nicht mehr mit den Kontrolleuren der internationalen Geldgeber-Troika zusammenzuarbeiten, plädiert der Chefhaushälter der Unions-Bundestagsfraktion, Norbert Barthle (CDU), dafür, notfalls drastische Konsequenzen zu ziehen.

Umfrage: Deutsche wollen Griechen in der Eurozone halten

Auch nach der Abkehr des neuen griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras vom harten Sparkurs ist eine Mehrheit von 62 Prozent der Deutschen für den Verbleib Griechenlands in der Eurozone. Dies ergab eine Emnid-Umfrage im Auftrag von Bild am Sonntag. Danach sind nur 26 Prozent der Bürger dafür, dass die Griechen künftig wieder mit der Drachme zahlen sollen.

EZB-Chefvolkswirt verteidigt Ankauf von Staatsanleihen

Der Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB), Peter Praet, hat die in Deutschland umstrittene Entscheidung der EZB verteidigt, Staatsanleihen aus der Eurozone im Wert von 1,1 Billionen Euro zu kaufen. "Wenn die Inflation im Euroraum auf 4 Prozent steigen würde, dann würde doch jeder von der EZB erwarten, dass sie etwas dagegen unternimmt."

VÖB sieht mögliche Bankenkonsolidierung in Deutschland kritisch

Der Bundesverband Öffentlicher Banken (VÖB) sieht die von Aufsehern geforderte Konsolidierung im ertragsschwachen deutschen Bankensektor kritisch. "Ich glaube fest daran, dass ein Bankenplatz mit vielen Banken und Geschäftsmodellen weit krisenresistenter ist als einer mit hoher Marktkonzentration und nahezu gleichen Geschäftsmodellen", sagte Liane Buchholz, Hauptgeschäftsführerin des VÖB, der Wirtschaftszeitung Euro am Sonntag.

AfD wird künftig von einem Parteichef allein geführt

Die Alternative für Deutschland (AfD) wird künftig von einem alleinigen Parteivorsitzenden geführt. Das entschieden die Mitglieder am Samstag nach langwieriger Diskussion mit großer Mehrheit auf dem Parteitag. Damit folgten sie in Bremen einem Vorschlag des Bundesvorstandes.

Alt-Bundespräsident Richard von Weizsäcker gestorben

Der frühere Bundespräsident Richard von Weizsäcker ist tot. Deutschland habe einen "großartigen Menschen und ein herausragendes Staatsoberhaupt" verloren, erklärte Bundespräsident Joachim Gauck am Samstag. Weizsäcker war von 1984 bis 1994 deutsches Staatsoberhaupt. Er wurde 94 Jahre alt.

Podemos bringt in Madrid mindestens 100.000 Menschen auf die Straße

Mindestens 100.000 Anhänger der spanischen Linkspartei Podemos haben am Samstag in Madrid gegen die Sparpolitik der Regierung protestiert. "Ja, es ist möglich!", riefen die Demonstranten bei dem "Marsch für Veränderung" im Zentrum der spanischen Hauptstadt.

Friedensgespräche für Ostukraine ohne Ergebnis zu Ende gegangen

Die Verhandlungen für einen Frieden in der Ostukraine sind am Samstag im weißrussischen Minsk ohne Ergebnis zu Ende gegangen. Nach vier Stunden verließen die Unterhändler der Regierung in Kiew, der prorussischen Separatisten sowie Moskaus schweigend den Verhandlungsort in der weißrussischen Hauptstadt.

Sergio Mattarella zu neuem Präsidenten Italiens gewählt

Der Verfassungsrichter Sergio Mattarella wird neuer Präsident Italiens. Das Parlament in Rom wählte den 73-Jährigen am Samstag im vierten Wahlgang mit absoluter Mehrheit zum Staatsoberhaupt. Mattarella war Kandidat des sozialdemokratischen Regierungschefs Matteo Renzi.

IS-Miliz richtet zweite japanische Geisel hin

Die Dschihadistengruppe Islamischer Staat (IS) hat eine zweite japanische Geisel getötet. Im Internet wurde am Samstag ein Video veröffentlicht, das offenbar die Enthauptung des Journalisten Kenji Goto zeigt. Die japanische Regierung hielt die Aufnahmen für echt.

Dänemark setzt Emission von Staatsanleihen aus

Dänemark hat die Emission von Staatsanleihen ausgesetzt, um den Druck auf die Währungskoppelung zwischen Krone und Euro abzumildern. Das Finanzministerium unternahm diesen Schritt am Freitag auf Rat der Notenbank. Die Maßnahme soll ausländische Anleger von Investments in dänische Staatstitel abschrecken und so dem Anstieg der Krone entgegenwirken.

Irische CRH vor Zuschlag für Lafarge-Holcim-Firmenteile - Kreise

Der irische Zementkonzern CRH steht nach Angaben von gut unterrichteten Personen kurz dem Zuschlag für die von den Konkurrenten Holcim und Lafarge angebotenen Firmenteile. Den Umfang der Offerte bezifferten die Personen auf mindestens 7 Milliarden US-Dollar.

VW will in großem Stil Menschen durch Roboter ersetzen

Der VW-Konzern will für viele Arbeiten künftig Roboter statt Menschen einsetzen. Vor allem körperlich anstrengende Tätigkeiten sollen künftig von intelligenten Maschinen erledigt werden und die Arbeitskraft von Menschen ersetzen, sagte Personalvorstand Horst Neumann der Welt am Sonntag.

Metro schätzt Kosten wegen Rubel-Schwäche auf 200 Millionen Euro

Die durch die Russland-Krise hervorgerufene Rubel-Schwäche könnte die Bilanz des Metro-Konzerns deutlich belasten. "Momentan bekommen Sie für einen Euro rund 80 Rubel. Bleibt der Kurs dauerhaft auf diesem Niveau, kostet uns das rund 200 Millionen Euro im operativen Ergebnis", sagte Metro-Chef Olaf Koch im Interview mit der Wirtschaftswoche und fügte hinzu: "Diesen Effekt können wir nicht kompensieren."

Goldman Sachs: Welle von Börsengängen von deutschen Internetfirmen

Der neue Deutschland-Chef von Goldman Sachs, Wolfgang Fink, prophezeit eine Welle von Börsengängen junger deutscher Firmen. "Der Erfolg von Zalando und Rocket Internet wird andere ermutigen", sagte Fink der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. "Die beiden Börsengänge hatten Eisbrecherfunktion."

Zalando-Vorstand: Steigerung der Marge steht nicht im Vordergrund

Nach dem Börsengang im Oktober hat der Berliner Online-Modehändler Zalando große Pläne. "Wir haben 2014 einen wichtigen Schritt gemacht und rechnen damit, das Jahr leicht profitabel abzuschließen", sagte Vorstandsmitglied Rubin Ritter im Interview mit dem Handelsblatt. "Aber wir sehen im Markt noch viele Chancen und wollen nicht zu früh aufhören, zu investieren. In den kommenden Jahren steht nicht im Vordergrund, die Marge zu steigern."

Chinas Wirtschaft erwischt schwachen Start ins Jahr

Die chinesische Wirtschaft hat einen schwachen Start ins Jahr 2015 hingelegt. Wie die nationale Statistikbehörde berichtete, fiel der offizielle Einkaufsmanagerindex für die chinesische Industrie im Januar auf 49,8 Punkte, knapp unter die Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Im Dezember hatte der Wert 50,1 Zähler betragen. Ökonomen hatten einen Stand von 50,3 Punkte erwartet.

Russische Regierung erwartet Rückgang des BIP um 3 Prozent

Russlands Wirtschaftsminister Alexei Ulyukayev rechnet in diesem Jahr mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 3 Prozent. Bislang hatte die Regierung nur ein Minus von 0,8 Prozent erwartet.

DJG/AFP/apo

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February 01, 2015 11:30 ET (16:30 GMT)