21.08.2014 00:08, Dow Jones

UPDATE: Debatte innerhalb der Fed über Zinserhöhung wird lebhafter

(NEU: Weitere Details, Hintergründe und Einschätzungen)

Von Jon Hilsenrath und Jeffry Bartash

Die Diskussion der US-Währungshüter über den Zeitpunkt einer Zinserhöhung hat bei der jüngsten Sitzung der Federal Reserve am 29. und 30. Juli Fahrt aufgenommen. Angesichts der Erholung am Arbeitsmarkt und einer anziehenden Inflation sprachen die US-Notenbanker darüber, ob die Zinsen womöglich früher erhöht werden sollten als bislang erwartet, wie aus dem Sitzungsprotokoll der US-Notenbank hervorgeht.

Die Mehrheit der Mitglieder im Offenmarktausschuss war der Auffassung, dass es Fortschritte am US-Arbeitsmarkt und bei der Entwicklung der Inflationsrate hin zum Zielwert der US-Notenbank gibt. Einige US-Währungshüter glauben, dass dies einen Schritt hin zu erschwerten Zugängen zu Krediten rechtfertige. Doch viele Mitglieder zeigten sich davon weniger überzeugt. Trotz der erkennbaren Fortschritte am Arbeitsmarkt präsentiere sich dieser noch immer schwächer als "normal" und die Inflation stelle aktuell kein Problem dar, so die Argumentation einiger Offenmarktausschussmitglieder.

"Die Fed scheint sich von einem mehrheitlich taubenhaften Blickwinkel zu einem eher ausgeglichenen Meinungsbild bewegt zu haben. Dieser Umstand bringt die Fed näher an den Punkt, an dem ernsthaft Zinserhöhungen erwogen werden", kommentierte Devisenstratege Omer Esiner von Commonwealth Foreign Exchange. Der US-Dollar zählte zu den erkennbaren Profiteuren am US-Finanzmarkt, denn der Greenback legte auf breiter Front zu.

Die meisten Fed-Mitglieder gaben zu erkennen, dass sie die Entscheidung über den richtigen Zeitpunkt für eine Zinserhöhung von weiteren US-Konjunkturdaten abhängig machen - mit dem Schwerpunkt auf die weitere Entwicklung am Arbeitsmarkt und der Teuerungsrate.

Sorge bereitet den Notenbankern neben den geopolitischen Krisen in der Ukraine und im Nahen Osten der Umstand, dass der leichte Abschwung der US-Wirtschaft im ersten Quartal, obwohl scheinbar nur vorübergehender Natur, Unsicherheit mit Blick auf die weiteren Wachstumsaussichten der US-Konjunktur geschürt haben könnte.

Bei der Sitzung Ende Juli hatte die US-Notenbank ihre milliardenschweren Geldspritzen für die Wirtschaft weiter gedrosselt. Angesichts der zunehmend an Fahrt gewinnenden US-Konjunktur haben die Währungshüter in diesem Jahr bislang bei jeder Sitzung die Käufe von Staats- und Hypothekentiteln um je 10 Milliarden Dollar monatlich gesenkt. Derzeit beträgt das monatliche Kaufvolumen noch 25 Milliarden Dollar. Voraussichtlich im Oktober werden die Käufe mit einer letzten Drosselung um 15 Milliarden Dollar auslaufen.

Schon seit einiger Zeit stehen deshalb Aussagen zum Zeitpunkt der ersten Zinserhöhung im Zentrum der Aufmerksamkeit der Marktakteure. Seit der Finanzkrise liegt der Leitzins der Federal Reserve praktisch bei null. Bislang rechnen die meisten Experten erst für Mitte 2015 mit einer ersten Zinserhöhung.

Zudem beraten die Währungshüter schon seit einiger Zeit über die Ausstiegsstrategie. Es geht vor allem darum, wie die kurzfristigen Zinsen erhöht werden können. Da die Fed im Zuge der Finanzkrise gewaltige Geldmengen in das Finanzsystem gepumpt hat, gibt es die Befürchtung, dass die alten Mechanismen nicht mehr funktionieren. Daher braucht die Fed neue Instrumente zur Steuerung den kurzfristigen Zinsen.

Der Ausschuss entschied sich letztlich mit 9 zu 1 Stimmen für eine Beibehaltung des langsamen Zurückfahrens der geldpolitischen Stimuli. Den einzigen Abweichler stellte Charles Plosser, Notenbankgouverneur des Beziks Philadelphia. Er warf seinen Kollegen vor, die Verbesserungen am Arbeitsmarkt und den Anstieg der Inflation zu unterschätzen. Er warnte vor Marktverwerfungen, sollte die Fed gezwungen sein, früher als geplant die Zinsen anheben zu müssen.

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August 20, 2014 18:08 ET (22:08 GMT)