23.07.2014 19:37, Dow Jones

Wie Mario Draghi die Zwischenbilanz der US-Banken rettete

Von Katy Burne und Justin Baer

Eine Explosion des Handels an der Wall Street hat die Bilanzen der großen US-Banken im zweiten Quartal gerettet. Den Grundstein dafür legte ein Zentralbank-Chef, der einen Ozean entfernt zu Hause ist: EZB-Präsident Mario Draghis Äußerungen vom fünften Juni darüber, wie die Europäische Zentralbank die niedrige Inflation bekämpfen will, kurbelte die Anleihemärkte an. So beendete Draghi eine Verlangsamung des Handels, welche die Quartalsergebnisse der größten US-Banken zu verhageln drohte.

Eine Explosion des Handels an der Wall Street hat die Bilanzen der großen US-Banken im zweiten Quartal gerettet. Den Grundstein dafür legte ein Zentralbank-Chef, der einen Ozean entfernt zu Hause ist: EZB-Präsident Mario Draghis Äußerungen vom fünften Juni darüber, wie die Europäische Zentralbank die niedrige Inflation bekämpfen will, kurbelte die Anleihemärkte an. So beendete Draghi eine Verlangsamung des Handels, welche die Quartalsergebnisse der größten US-Banken zu verhageln drohte.

Draghi legte in seiner Rede nahe, dass die EZB auch weiter Geldspritzen in den Markt pumpt, um die Verteuerung anzuheizen. Darum fielen die Zinsen auf Anleihen - und wenn Zinsen fallen, steigen die Kurse. Am vierten Juni, dem Tag vor der Rede, lagen die zehnjährigen deutschen Bundesanleihen bei 1,378 Prozent, einen Tag später schlossen sie bei 1,362 Prozent, am 30. Juni waren sie auf 1,251 Prozent gefallen, am Montag schließlich lagen sie bei 1,094 Prozent.

Das trieb Unternehmen in Europa und den USA dazu, Rekordmengen an neuen Schuldpapieren zu verkaufen. Die Anleger passten daraufhin ihre Portfolios an, um Platz für die neuen Anlagemöglichkeiten zu machen - und mit den Geschäften beauftragten sie die Investmentbanken.

Zwar gaben die meisten Banken auch so Umsatzrückgänge ihrer Handelssparten an. Doch die Wiederbelebung im Juni reichte, um die Umsätze über die Erwartungen zu heben. Citigroup, J.P.Morgan Chase, Goldman Sachs und Morgan Stanley gehörten zu den Geldhäusern, die angaben, dass ihr Handel mit Schuldscheinen in den letzten Wochen des Zeitraums in die Höhe schoss - was den Aktienkurs der Banken trieb. "Aus Aktienperspektive hat es das Quartal gerettet", sagt Brennan Hawken, Banken-Analyst beim Schweizer Geldhaus UBS. "Festverzinsliche Wertpapiere schnitten deutlich besser ab" als befürchtet, so Hawken.

Allerdings ist dieser Funke im Juli schon wieder zum Teil verglüht - die Gewinne, die Banken mit dem Handel machen, sind eben fragil. Auch im August dürfte das Geschäft kaum anspringen, sagt Jeff Harte, Analyst beim Recherchedienstleister Sandler O'Neill + Partners - an der Wall Street habe die typischerweise langsame Sommerzeit begonnen.

So war der Ruck im Juni eine willkommene Überraschung. Vor den Bemerkungen Draghis waren Anleger sich unsicher darüber, ob die EZB die Zinsen auf Rekordtiefs senken und wertbesicherte Papiere kaufen würde, um die Wirtschaft der Eurozone anzuheizen. Nach Draghis Rede waren sie ermutigt. Die Zentralbank sei bereit, eine Vielzahl an unterstützenden Maßnahmen zu ergreifen - inklusive dem Kauf von Wertpapieren. Am 18. Juni zog die US-Notenbank nach: Man habe keine Eile, die Zinsen zu steigern.

Am kräftigsten wurde der Handel mit Wertpapieren belebt, sagten Top-Manager - auch Unternehmensanleihen profitierten, deren Preise eng mit denen von Staatsanleihen zusammen hängen. Europäische Unternehmen mit einer niedrigen Bonität verkauften im Juni Anleihen für 23,8 Milliarden Dollar - das zweithöchste Volumen in einem Monat seit 1995. Bei Goldman Sachs legte außerdem das Geschäft mit dem Handel von Krediten zu, sagen eingeweihte Personen.

Das freut nicht nur Banken: CVC Credit Partners aus London etwa legt mehr als 10 Milliarden US-Dollar für Kunden an. Bei dem Finanzunternehmen war das Handelsvolumen von hochverzinsten Anleihen und Krediten im Juni um fast ein Viertel höher als im April oder Mai, sagt Handels-Chef Mark DeNatale. Der Chefinvestor des ebenfalls in London ansässigen Hedgefonds Camares Capital, der rund 500 Millionen Dollar verwaltet, sagte nach dem Schritt der EZB: "Die Leute sahen, dass sie einen sehr klaren Weg für den Sommer haben".

Unternehmen fädelten mehr Übernahmen ein

Die Welle des Optimismus erwischte auch Händler und Unternehmen in den USA. Die Unternehmen und Banken dort verkauften im Juni Anleihen für 106 Milliarden Dollar - der neuntbeste Monat für den Verkauf solcher Bonds in ihrer Geschichte.

Beschwingt von den verbesserten Wachstumsaussichten, haben Unternehmen auch mehr Fusionen und Übernahmen eingefädelt. Im zweiten Quartal lag das Volumen von Unternehmensaufkäufen bei 1,07 Billionen US-Dollar - dem höchsten in dem Zeitraum seit 2007. Damit haben die Konzerne wiederum die Zuversicht und Aktivität der Händler angeheizt: Denn im Zuge von Fusionen und Übernahmen werden in der Regel neue Unternehmensanleihen herausgegeben.

Das bringt die Portfolio-Manager dazu, die Gewichtung ihrer Anteile zu verändern, um Platz für die neuen Investitionen zu machen. Greg Margolies, Chef des Kredithandels beim US-Vermögensverwalter Ares Management, sagte, dass das Geschäft mit Krediten und hochverzinsten Unternehmensanleihen von Mai zu Juni angezogen hat - durch die Ausgabe neuer Bonds.

Dadurch, dass die Zinsen für die Bonds sanken, machten Anleger sich auf die Suche nach Papieren, die mehr Gewinne abwerfen. Eine Reihe ungewöhnlicher Ereignisse, wie die Auszahlung von Forderungen rund um den Bankrott der US-Investmentbank Lehman Brothers, gab Anlegern die Möglichkeit, Handel rund um die notleidenden Wertpapiere zu betreiben, sagt Adam Vengrow, Co-Chef des Kredithandels beim New Yorker Finanzdienstleister Cantor Fitzgerald.

Auch der Handel mit Papieren isländischer Banken und notleidender Papiere mit Bezug zur Flugindustrie hätten geholfen, die Aktivität zu heben, sagt George Kuznetsow, Chef der Abteilung Recherche und Analyse des Datendienstleisters Coalition.

Durch die erhöhte Aktivität der Kunden schwellen auch die Bestände der Banken an Wertpapieren an. Von April bis Ende Juni haben sich diese fast verdoppelt, auf 14,2 Milliarden Dollar. So wollen sich die Banken offenbar auf die erhöhte Nachfrage der Kunden vorbereiten.

Im Vergleich zur Spitze vor der Krise liegen die Bestände allerdings immer noch bei weniger als einem Drittel - eine Reihe von neuen Beschränkungen nach der Finanzkrise hemmen die Banken in ihrem Eigenhandel. Das schränkt auch die Möglichkeit der Geldhäuser ein, im dritten Quartal am Handel mit Wertpapieren zu verdienen. "Sie halten weniger Anleihen als vorher", sagt Robert Smith, Chef-Investor beim US-Vermögensverwalter Sage Advisory Services. "Das beschränkt ihre Fähigkeit, Gewinne zu buchen, wenn die Marktbedingungen zu ihren Gunsten stehen."

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

DJG/WSJ

(END) Dow Jones Newswires

July 23, 2014 13:37 ET (17:37 GMT)