DEUTSCHE BANK AG NA O.N.DEUTSCHE POSTBANK AG NARenaissance IPO ETF
28.08.2015 11:07, Dow Jones

UPDATE/Postbank speckt vor dem Börsengang ab

- Zeitplan für Börsengang bis Ende 2016 steht

- Kosten sollen weiter sinken

- Kosten sollen weiter sinken

- Ausblick bestätigt

(NEU: weitere Details)

Von Madeleine Nissen

BOCHUM (Dow Jones)--Die Postbank macht sich für die Börse schön und speckt bei den Kosten ab. Vorstandschef Frank Strauß will mittelfristig das Verhältnis von Kosten und Ertrag von 83 Prozent auf 70 Prozent verbessern. Potenzial sieht Strauß auch bei der Eigenkapitalquote, die zuletzt 7,2 Prozent betrug. Das sei zwar wettbewerbsfähig, aber die Postbank verdiene damit immer noch nicht ihre Kapitalkosten, sagte er bei der Hauptversammlung. Das sei aber mittelfristig das Ziel. Ein konkretes Kostenziel nannte Strauß noch nicht.

Ein Grund für die hohen Kosten der Postbank ist der Abbau von riskanten Kreditprodukten, da hier nicht mehr die ursprünglich gezahlten Preise erzielt werden können. Hier sind die Bonner gut voran gekommen. Ihre Bilanz ist seit 2010 um 60 Milliarden Euro auf 155 Milliarden Euro gesunken. Auch die Integration in den Mutterkonzern Deutsche Bank war teuer. Diese Kosten fallen mittelfristig weg: Die Mutter trennt sich im Zuge des eigenen Umbaus von der Tochter. Geplant sei weiterhin ein Börsengang bis Ende 2016, sagte Strauß.

Allerdings muss die Bank noch an ihrer Equity Story arbeiten. Die Postbank ist seit der Finanzkrise zwar deutlich sicherer aufgestellt und gehört zu den Vorreitern im digitalen Geschäft, sie leidet aber als klassische Privatkundenbank stark unter dem niedrigen Zinsumfeld. "Die niedrigen Zinsen stellen den gesamten Finanzsektor vor große Herausforderungen", sagte Aufsichtsratschef Stefan Krause.

Entsprechend bescheiden ist das Wachstum. Der Nettogewinn der Postbank werde 2015 voraussichtlich um einen kleineren bis mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Betrag steigen, bestätigte Strauß frühere Aussagen. Vor Steuern rechnet er weiterhin mit einem Rückgang in der Größenordnung eines zweistelligen Millionenbetrages. Belastend wirken sich hier die Integrationskosten und der Wegfall eines positiven Sondereffektes aus.

Um die Bank auf einen erneuten Börsengang oder Verkauf vorzubereiten, verlangt die Mutter Deutsche Bank ein Rausdrängen der Altaktionäre, das so genannte Squeeze-out. Die Aktionäre, die noch Postbank-Aktien halten und der Bank treu bleiben wollen, bekommen keine bevorzugte Behandlung. Sie werden rausgedrängt und bekommen eine Abfindung von 35,05 Euro je Aktie sowie eine Garantiedividende von netto 1,66 Euro. Zuletzt hatte die Deutsche Bank ihren Anteil um 2,7 Prozent auf insgesamt 96,8 Prozent erhöht. Damit sicherte sich die Bank die Möglichkeit, die restlichen Minderheitsaktionäre gegen eine angemessene Abfindung aus dem Unternehmen zu drängen.

Derzeit stehen mit 3,2 Prozent noch etwa 7 Millionen Aktien aus. Aus dem Abfindungspreis ergibt sich ein Volumen von rund 245 Millionen Euro. Das Squeeze-out soll von der Hauptversammlung abgesegnet werden und bis Ende des Jahres abgeschlossen sein.

Die Deutsche Bank selbst befindet sich mitten im Umbau. Sie will sich unter der Führung von John Cryan insgesamt schlanker aufstellen, unattraktive Geschäfte aufgeben und Kosten einsparen. Eines der Hauptziele ist, die Gesamtverschuldung auf fünf Prozent zu senken. Hierbei steht ihr die Postbank mit ihrem dicken Kreditbuch im Weg.

Auch für die Tochter ist die Trennung eine Befreiung. Abgesehen von kulturellen Unterschieden, die beide Banken nie ganz überwunden haben, kann die Postbank in Zukunft ihr Kundenkreditgeschäft ausbauen. Sie muss dabei nicht mehr die Kapitalaufschläge für die Mutter als global systemrelevante Bank beachten. Die Postbank hat 14 Millionen Kunden. Davon sind 300.000 Geschäfts- und Firmenkunden, die ihr jährlich Erträge von 490 Millionen Euro bringen. Der Marktanteil der Postbank im Zahlungsverkehr liegt mit 800 Millionen Transaktionen im Jahr bei etwa zehn Prozent. In der gewerblichen Immobilienfinanzierung hat die Bank ein Bestandsvolumen von 6,7 Milliarden Euro.

Strauß schlug kräftig die Werbetrommel und erklärte, die Postbank sei in den vergangenen Jahren durch den vollständigen Abbau der strukturierten Kredite eine bessere und sichere Bank geworden. Geschäfte wie die Baufinanzierung und mit den deutschen Geschäfts- und Mittelstandskunden hat die Postbank im Gegenzug ausgebaut.

Kontakt zur Autorin: madeleine.Nissen@wsj.com

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August 28, 2015 05:07 ET (09:07 GMT)