23.11.2014 12:15, Dow Jones

Bahngewerkschaft EVG droht mit Streiks vor Weihnachten

Die Bahngewerkschaft EVG verschärft ihren Ton nach der ergebnislosen dritten Tarifrunde mit der Bahn deutlich und droht mit der Blockade des gesamten Bahnnetzes noch in der Vorweihnachtszeit. Der EVG-Vorsitzende Alexander Kirchner sagte dem Nachrichtenmagazin Focus: "Es liegt am Arbeitgeber. Wir können auch vor Weihnachten noch streiken, wenn wir nicht vorankommen." Kirchner betonte, dass ein Streik auch parallel zu Lokführerstreiks der Konkurrenzgewerkschaft GDL stattfinden könne. Er sagte: "Dabei interessiert uns nicht, was die GDL macht."

Laut EVG-Sprecher Uwe Reitz könnten allein die Beschäftigten in der Stromversorgung der Bahn und in den Stellwerken das gesamte Netz der Bahn blockieren, so das Magazin. Dann würde der Bahnverkehr laut Reitz insgesamt still liegen. Ab 3. Dezember wären erste Warnstreiks denkbar.

Am Freitag waren getrennt geführte Gespräche der Deutschen Bahn mit der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) und der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) ohne Einigung vertagt worden. Sie sollen am 28. November mit der GDL und am 12. Dezember mit der EVG weitergeführt werden.

EVG-Verhandlungsführerin Regina Rusch-Ziemba hatte nach der Vertagung der Gespräche kritisiert, dass die Bahn am Donnerstagabend ein neues Angebot unterbreitet habe, bei dem es sich um ein tausendseitiges Dokument handele. Das Angebot sei "zu kurzfristig" gekommen, so dass die EVG es nun erst einmal prüfen will. Der Inhalt entspreche aber in "keinster Weise" den Forderungen der EVG, so Rusch-Ziema weiter, wie die Nachrichtenagentur AFP berichtet.

In dem festgefahrenen Tarifkonflikt streiten sich GDL und EVG seit Monaten, wer für welche Berufsgruppe die Tarifverhandlungen führen darf. Bisher handelte die EVG für rund 140.000 Bahn-Angestellte die Arbeitsbedingungen aus, darunter Zugbegleiter, Lokrangierführer und Mitarbeiter im Bordservice. Die ungleich kleinere GDL war nur für die rund 20.000 Lokführer des Konzerns zuständig. Neuerdings will die GDL beispielsweise auch für Zugbegleiter verhandeln, die bei ihr organisiert sind.

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DJG/AFP/gos

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November 23, 2014 06:15 ET (11:15 GMT)